Donnerstag, 14. Mai 2009

Was bin ich? (Auch) Ein Schreibcoach

Ich tue so einiges, um meine Brötchen zu verdienen und die Miete zu bezahlen, und manchmal habe ich Schwierigkeiten, diese einzelnen Tätigkeiten zu benennen.

1. Journalistin
, oder genauer: freie Medizin- und Wissenschaftsjournalistin.

2. (Krimi)Autorin
.

So weit, so gut.

Schwieriger wird es schon, wenn es darum geht, dass ich Texte - meist von Wissenschaftlern - überarbeite. Was bin ich dann: Korrektorin, Redakteurin, Lektorin? Ja. Will sagen: alles davon trifft zu, mal mehr, mal weniger. Und wenn man großzügig ist, lässt sich das noch unter "journalistischen" Tätigkeiten, also Punkt 1, verbuchen.

3. Und schließlich unterrichte ich Workshops zum Thema "Gut und verständlich schreiben - in zehn einfachen Schritten" und habe auch ein Buch darüber geschrieben. Also steht auf meiner Website in der linken Spalte, in der man die verschiedenen Bereiche anklicken kann, Schreibdozentin. Aber das trifft es nicht ganz. Es greift zu kurz. Denn im Laufe eines Workshops beantworte ich Fragen und lese mir außerdem die Texte der Teilnehmer durch, um sie auf ihre jeweiligen stilistischen Schwächen hinzuweisen sowie auf Wege, wie sich diese beheben lassen. In meiner E-Mail-Signatur steht daher zur Zeit:

Dr. Ingrid Glomp
- Journalistin, Autorin, Schreibtrainerin -

Schreibtrainerin also. Oder auch: Schreibcoach?

Ausgelöst hat diese Überlegungen ein Post in Claudia Freys Blog, in dem sie eine Blogparade zum Thema Stark durch Coaching eröffnet hat.
Wie können Coaches/Berater/Therapeuten ihre Kunden (und sich selbst) so stärken, dass sie die Wirtschaftskrise meistern können?
fragt Claudia Frey die Bloggergemeinschaft.

Nun, mich selbst stärke ich, indem ich auf Vielfalt bei Tätigkeiten und Auftraggebern achte (s. o.) - mal ganz praktisch und prosaisch gedacht ;-)

Meine Kunden sind die Teilnehmer meines Workshops. (Natürlich auch Leser meiner Texte, Redakteure usw.)

Bleiben wir aber bei meinem Workshop. Schreiben, sich gut ausdrücken, klar und überzeugend formulieren zu können, ist heute wichtiger denn je. Gerade im Beruf. Fast jeder muss Berichte schreiben; Inhalte für Websites; Briefe und E-Mails an Klienten, Patienten oder Studienteilnehmer, an Chefs und Kollegen; Veröffentlichungen; und, nicht zu vergessen, Bewerbungen.

Richard Anderson, der Chef der amerikanischen Fluggesellschaft Delta Air Lines, erklärte in einem Interview, dass ihm bei Bewerbern eine Qualifikation besonders wichtig ist: Sie müssen sich gut, und vor allem klar, ausdrücken können.

In dieser Hinsicht versuche ich, die Teilnehmer meiner Workshops fit zu machen. Ich coache sie, wenn man so will, indem ich ihnen die wichtigsten Schreibregeln erkläre, die man beachten muss, damit ein Text verständlich und lesbar ist. Ich weise sie auf ihre speziellen Schwächen hin und mache Vorschläge, wie sich das, was sie geschrieben haben, verbessern lässt. Ganz entscheidend ist nämlich das Arbeiten mit und an eigenen Texten.

Wenn ich also auch kein Coach bin, der die Psyche stärkt, so vermittele ich doch hoffentlich Fähigkeiten, die auch speziell in diesen schwierigen Zeiten z. B. im Beruf nützlich sind.

Und wer weiß. Nietzsche hat einmal geschrieben:
Den Stil zu verbessern – das heißt den Gedanken verbessern
Kein schlechtes Coaching-Ziel, finde ich.