Mittwoch, 18. Februar 2009

Hier wird's holprig

Durch unzulässige Verkürzungen von Formulierungen und Gedanken kann ein falscher Bezug entstehen. Der Text bleibt zwar verständlich, aber er holpert, der Leser stockt. Unzulässige Verkürzungen sind Sand im Getriebe.

Beispiel:
Für dieses Rezept brauchen Sie einen großen oder zwei kleine Äpfel.

Irgendetwas stimmt da nicht. Unser Gehirn arbeitet nämlich so: Es macht aus „eine rote und eine gelbe Blume“ „eine rote Blume und eine gelbe Blume“. Entsprechend macht es aus der Angabe im Beispielsatz „einen großen Äpfel oder zwei kleine Äpfel“. Das stört – ob nun bewusst oder unbewusst.

Schreiben Sie also:
Für dieses Rezept brauchen Sie einen großen Apfel oder zwei kleine.
(Fragen Sie mich bitte nicht, warum das Gehirn hier nicht "zwei kleine Apfel" denkt. Es ist einfach so, dass wir in diesem Fall beim Lesen nicht hängen bleiben. Stimmt's?)

Entsprechend schreiben Sie bitte nicht:
Texte mit weniger bzw. genau 100 Wörtern,

sondern:
Texte mit weniger als bzw. genau 100 Wörtern

oder noch besser:
Texte mit bis zu 100 Wörtern.

Auch wenn wir Gedanken verkürzen, bleibt die Lesbarkeit auf der Strecke. Lesen Sie einmal diesen Tipp für Bewerbungsgespräche:

Bei aller Ehrlichkeit: Wägen Sie die Bedeutsamkeit und Erlernbarkeit von Schwachstellen ab.

Schwachstellen erlernen? Gemeint war vermutlich:
Wägen Sie ab, ob es nötig ist, eine Schwäche einzugestehen, oder ob Sie das erforderliche Wissen schnell erwerben können.

Siehe zum Thema "falscher Bezug" auch meinen Blogpost Unfreiwillig komisch: Der falsche Bezug und meinen Beitrag am 3. März.

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