Dienstag, 3. Februar 2009

Anrede in englischen Briefen und E-Mails: Doktor-Titel nur für Ärzte?

Jill Biden, Verzeihung: Dr. Jill Biden, löst im egalitären Amerika Verwunderung, Lächeln und Diskussionen aus, weil sie sich mit ihrem Titel anreden lässt und auch in Pressemitteilungen die zwei Buchstaben und der Punkt ihrem Namen vorangestellt werden. Obwohl, hier kommt's, ihr Titel kein medizinischer ist, sondern sie in Erziehungswissenschaften promoviert hat.

Das ist der Los Angeles Times einen langen Artikel wert: Hi, I'm Jill. Jill Biden. But please, call me Dr. Biden.

Verschiedene "Spezialisten" kommen zu Wort, um die Frage von allen Seiten zu beleuchten.

Amy Sullivan, die für das Magazin Time über Religion schreibt, meint:
"Ordinarily when someone goes by doctor and they are a PhD, not an MD, I find it a little bit obnoxious," Sullivan said. "But it makes me smile because it's a reminder that she's her own person. She wasn't there as an appendage; she was there as a professional in her own right."
Amerikanische Zeitungen habe eine ganz klare Regel:
Newspapers, including The Times, generally do not use the honorific "Dr." unless the person in question has a medical degree.

"My feeling is if you can't heal the sick, we don't call you doctor," said Bill Walsh, copy desk chief for the Washington Post's A section and the author of two language books.
Joel Goldstein, Professor an der St. Louis University School of Law, gibt zu bedenken:
But nobody thought it was pretentious to call Henry Kissinger 'Dr. Kissinger.'
Und dann bekommen die Amerikaner noch diese Info über die Verhältnisse in Deutschland und Europa mit auf den Weg:
Last year, according to the Post, at least seven Americans (with degrees from places like Cornell and Caltech) were investigated for the crime of "title fraud" for calling themselves doctor on business cards, resumes and websites. Only people who have earned advanced degrees in Germany or other European Union countries may legally call themselves that.
Aber so kleinlich sind wir in unserer Korrespondenz nicht, oder? Was also tun, wenn Sie jemandem auf Englisch - zumal einem/er Amerikaner/in - schreiben?

Bei Ärzten ist Dr. üblich. Das haben wir aus dem LATimes-Artikel gelernt. Bei allen anderen Menschen mit Dr.-Titeln achten Sie am besten darauf, wie sie sich selbst darstellen.

Und wenn Sie der Frau des amerikanischen Vize-Präsidenten schreiben, wissen Sie ja jetzt, wie Sie sie anreden:

Dear Dr. Biden,

(Ihre College-Studenten nennen sie übrigens Dr. B.)

Übrigens: Im britischen Englisch (BE) verzichtet man im Gegensatz zum amerikanischen Englisch (AE) bei Mr, Dr usw. auf den Punkt.

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