Sonntag, 7. Dezember 2008

Fortsetzung: Das leidige Passiv

Heute erfahren Sie, welche Möglichkeiten es noch gibt, das hölzerne und umständliche Passiv zu vermeiden. Im vorherigen Post habe ich Methode 1. und 2. beschrieben, nun folgt

3. Bilden Sie ein Konstrukt mit „sich“ (bei so genannten reflexiven Verben):

Nicht
Die Aufmerksamkeit der Zuschauer wurde auf die Bühnenmitte gerichtet.
sondern
Die Aufmerksamkeit der Zuschauer richtete sich auf die Bühnenmitte.

4. Entsprechend lassen sich Formulierung aus "können" plus Passiv umwandeln in Konstrukte mit "sich lassen".

Nicht
Ein Fortschreiten der Krankheit kann meist verhindert werden.
sondern
Ein Fortschreiten der Krankheit lässt sich meist verhindern.

5. Oder Sie wählen einfach ein anderes Verb.
Nicht
Das Ausmaß des Schadens wird durch die Größe der Hagelkörner bestimmt.
sondern
Das Ausmaß des Schadens hängt von der Größe der Hagelkörner ab.

Streichen Sie bei dieser Gelegenheit bitte gleich das Wort „seitens“ aus Ihrem Wortschatz. Es klingt nicht nur gestelzt. Gewöhnlich bringt es auch das Passiv mit sich.
Wie in
Der Mietvertrag wurde seitens des Vermieters gekündigt.
Seitens der Bank wurden Umbuchungen auf ein Zwischenkonto durchgeführt.
Es wurde seitens der Stadtverwaltung bekannt gegeben, dass…

Furchtbar. So wollen Sie nicht schreiben. Also machen Sie schnell aus Vermieter, Bank und Stadtverwaltung ein Subjekt, das kündigt, umbucht oder bekannt gibt.

Die Ausnahme (gibt es die nicht immer?), bei der das Passiv angebracht ist: Sie wollen den Leidenden und sein Schicksal in den Mittelpunkt stellen.
Etwa:
Als Kind wurde er oft geschlagen. Von seinen Eltern, den Geschwistern, dem Lehrer…
Sie verstehen, was ich meine.

Zum Schluss ein Tipp:
Durchsuchen Sie Ihren Text einmal mit der „Suchen“-Funktion von Word nach „w?rd“. So finden Sie Passiv-Konstrukte schnell und erkennen, ob sie überhand nehmen. (Dazu müssen Sie bei der „Suchen“-Funktion unter „Erweitern“ „Platzhalterzeichen verwenden“ aktivieren.) Diesen Tipp erhielt ich zu Beginn meiner Journalistenlaufbahn von einer Redakteurin der Süddeutschen Zeitung. Aber Sie müssen aufpassen. In seltenen Fällen handelt es sich bei einem „wird“ oder „werden“ ums Futur, die Zukunftsform eines Verbs, und nicht ums Passiv.