Mittwoch, 8. Oktober 2008

Besser schreiben: Fass' dich kurz

Wer sich wichtig machen will, walzt seine Sätze und Texte aus. Der schreibt „zur Anzeige bringen“ statt „anzeigen“, „operativ eingreifen“ statt operieren.

Wer Wichtiges zu sagen hat, formuliert kurz und prägnant. Wer möchte, dass andere sich merken, was er zu sagen hat, der fasst sich kurz.

Denken Sie an Zitate.

„Ich kam, ich sah, ich siegte.“ (Caesar)

Oder Goethe. Einfache Wörter, kurze Sätze: „In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister.“ „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.“ „Das also ist des Pudels Kern.“

Das fünfte Gebot: „Du sollst nicht töten.“

Oder das Grundgesetz:
(1.1) „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
(3.2) „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“
(5.1) „… Eine Zensur findet nicht statt.“

Und schließlich John F. Kennedy „Ich bin ein Berliner.“

Klare Sätze ohne Wenn und Aber.

Viele Zitate von Goethe, Schiller oder Shakespeare, an die wir uns gut erinnern, stammen aus ihren Theaterstücken, sind fürs Sprechen (und Hören) gedacht. Der Zuschauer muss sie auf Anhieb verstehen, er kann schließlich nicht zurückblättern. Papier ist geduldig(er). Aber diese Geduld sollten wir nicht überstrapazieren.

Streichen Sie Füllwörter. Ihnen werde ich noch einen eigenen Post widmen. Deshalb jetzt nur so viel: Goethe hat nicht geschrieben „Edel sei der Mensch, vielleicht auch hilfreich, auf alle Fälle aber gut.“ Hamlet sagt nicht „Sein oder vielleicht lieber doch nicht sein“. Bei Füllwörtern hilft nur: streichen, streichen, streichen.

Denken Sie dran: Die Delete/Entfernen-Taste ist Ihr Freund.