Mittwoch, 22. Februar 2017

Satzlänge: Was Gary Provost rät

Nicht immer ist die Zeit, die man mit Sozialen Medien verbringt, verschwendet. Gestern entdeckte ich via Twitter etwas, das Gary Provost zum Thema Satzlänge geschrieben hat.

Was mir so gut gefällt, ist: Provost hat seinen Rat spielerisch und anschaulich formuliert. Man lächelt und hat gleichzeitig etwas gelernt.
This sentence has five words. Here are five more words. Five-word sentences are fine. But several together become monotonous. Listen to what is happening. The writing is getting boring. The sound of it drones. It's like a stuck record. The ear demands some variety. Now listen. I vary the sentence length, and I create music. Music. The writing sings. It has a pleasant rhythm, a lilt, a harmony. I use short sentences. And I use sentences of medium length. And sometimes when I am certain the reader is rested, I will engage him with a sentence of considerable length, a sentence that burns with energy and builds with all the impetus of a crescendo, the roll of the drums, the crash of the cymbals--sounds that say listen to this, it is important.
Merke: Geschriebenes hat – wie Musik – einen Rhythmus und eine Melodie. Es ist an uns, unsere Texte zum Singen zu bringen. Denn das Ohr liest mit.

Was auch beachtenswert ist: Provosts letzter Satz ist zwar sehr lang, aber linear aufgebaut. Eines folgt aus dem anderen. Das macht ihn immer noch recht leicht lesbar. Das, was Lesern die größten Probleme bereitet, sind Verschachtelungen. In Provosts Satz findet sich nur zu Anfang eine kleine Verschachtelung, die den Gedanken für einen Moment unterbricht:
And sometimes when I am certain the reader is rested, I will ...
Ich persönlich habe noch etwas anderes gelernt. Auf der Website des leider verstorbenen Provost entdeckte ich das Cover seines Buchs 100 Ways to Improve Your Writing: Proven Professional Techniques for Writing with Style and Power. Dieses Cover kam mir sehr bekannt vor. Und tatsächlich: Ich fand in einem Stapel von Schreibratgebern ein schon etwas vergilbtes Exemplar dieses Buchs, das ich offenbar auch schon durchgearbeitet hatte. Vielleicht sollte ich wieder einmal hineinschauen :-)

Und damit wären wir bei meinem Buchtipp für heute:


PS: Wie Amazon mir beim Anklicken des Links verriet, habe ich das Buch schon 2007 gekauft. Nach so langer Zeit kann es schon mal passieren, dass man etwas vergisst ;-)