Montag, 18. Juli 2016

Cliffhanger – Sinn und Unsinn


Der Held rennt auf den Rand einer Klippe zu. Er stolpert und stürzt in den Abgrund. In letzter Sekunde kann er sich mit einer Hand an einem Felsvorsprung festhalten. 

Zur selben Zeit in New York ...

Das, was ich hier skizziert habe,  ist natürlich im wahrsten Sinne des Wortes, aber auch im übertragenen Sinne, ein typisches Beispiel für einen Cliffhanger.

Ein probates Mittel, um Spannung zu erzeugen


Wir Autoren verwenden dieses Stilmittel gerne, um Leser zum Weiterblättern zu bewegen. Denn wer möchte nicht einen so genannten Pageturner schreiben? Ein Buch also, bei dem die Leser einfach immer weiter "umblättern" müssen, bis sie wissen, wie die Geschichte ausgeht. Als Thrillerautorin ist genau das mein Ziel.

Deshalb enden manche oder viele Kapitel je nach Autor und Buch genau dann, wenn es am spannendsten ist. Dann erfährt man entweder im nächsten Kapitel, was als Nächstes geschieht. Oder aber der Autor erzählt uns zuerst,  was andere Personen gerade an einem anderen Ort erleben, um die Spannung noch zu steigern.

Ähnliches gibt es natürlich auch bei Fernsehserien. Auch dort lässt uns das Ende einer Folge manchmal im Ungewissen, wobei es oft sozusagen um Leben und Tod geht,  so dass wir die Fortsetzung kaum erwarten können. Was gerade noch erträglich ist, wenn es bis dahin nur eine Woche dauert. Oder wenn man zum Beispiel bei Netflix schaut und dort die nächste Folge gestartet wird, wenn wir es nicht ausdrücklich verhindern.

Was Leser und Zuschauer oft nicht mögen


Diese beiden Arten, Cliffhanger einzusetzen, erfüllen meines Erachtens ihren Zweck, nämlich Leser und Zuschauer bei der Stange zu halten, und zwar auf eine Art und Weise, die ihnen Spaß macht. Kritischer wird es, wenn ein Buch ausgerechnet mitten in einer spannenden Szene endet und wir nicht erfahren, wie das Ganze für den Helden oder die Heldin ausgeht.

Das mögen manche Leser gar nicht, weil die Absicht des Autors, uns dazu zu zwingen, sein nächstes Werk zu erstehen, überdeutlich zu erkennen ist. So etwas verstimmt. In seltenen Fällen könnte ich mich auch damit eventuell noch anfreunden. Dafür müssen zwei Bedingung erfüllt sein: Erstens muss die Geschichte wirklich sehr gut und spannend sein. Zweitens muss das nächste Buch schon geschrieben und erhältlich sein. Außerdem darf es nicht zu viel kosten.

Was nach meiner Meinung gar nicht geht ist Folgendes: Wenn eine Fernsehserie mit einem Cliffhanger endet, nehmen wir als Beispiel Orange Is the New Black, eine Originalserie von Netflix, und ich ein ganzes Jahr auf die Fortsetzung warten muss.

Das frustriert mich als Zuschauerin nämlich gleich doppelt: Erstens ist es ärgerlich nicht zu wissen, wie es weitergeht, und eine unzumutbar lange Zeit warten zu müssen, bis man es erfährt. Zweitens weiß ich aus Erfahrung, dass ich nach einem Jahr längst vergessen habe, wie die vorherige Staffel endete, ja, dass es überhaupt einen Cliffhanger gab. Zwar erklärt die erste Folge einer neuen Staffel gewöhnlich, was zuletzt geschah. Doch die Geschehnisse, die zu diesem Ereignis geführt haben, bleiben für jemanden wie mich im Dunkeln, weil ich sie längst vergessen habe, was die Geschichte weniger interessant macht.

Dumm gelaufen: Weil ich mich nach einem Jahr nicht mehr daran erinnere, dass es einen Cliffhanger gab, kann der mich auch nicht zum erneuten Einschalten veranlassen. Und mein Fernsehgenuss wurde auf zweifache Weise beeinträchtigt.

Fazit: Cliffhanger kann und soll man verwenden, wenn sie zum Lesevergnügen oder Fernsehspaß der Leser und Zuschauer beitragen. Falsch eingesetzt können sie jedoch verärgern. Und das sollten wir als Autoren vermeiden.

Foto: Cliffhanger von muelo-media/Flickr (CC BY-SA 2.0)

***

Keine Neuigkeit verpassen: einfach meinen Newsletter abonnieren
Wenn Sie frühzeitig über neue Ratgeber, Preis-Aktionen und außerdem über wichtige neue Posts und mehr informiert werden möchten, abonnieren Sie meinen Newsletter.