Samstag, 9. April 2016

Fettungen im Text: Ja, nein, vielleicht?

Neulich erreichte mich diese Frage einer ehemaligen Teilnehmerin eines meiner Schreibworkshops:
Nun stellen wir uns ... die Frage, wie man mit Fettungen in Texten umgeht, da diese sicherlich auch zur Verständlichkeit beitragen können. ... Gibt es eine Regel, wie man mit Fettungen umgeht (z. B. „weniger ist mehr“)?
Das habe ich zurückgeschrieben (ich habe die Antwort für diesen Post etwas umgeschrieben):
Hier meine von Erfahrung geprägte Meinung (feste Regeln gibt es ja beim Schreiben selten):

Ich bin kein Freund von Fettungen mitten im Text.

Etwas anderes sind natürlich Zwischenüberschriften oder eventuell die ersten Wörter eines Absatzes, die dann eine ähnliche Funktion haben wie eine Überschrift.

Ich finde, Fettungen machen das Schriftbild bei Printprodukten unruhig und wirken etwas unseriös im Sinne von formlos, zwanglos. In Büchern zum Beispiel findet man sie aus gutem Grund normalerweise nicht.

Weniger, wenn überhaupt, ist auf alle Fälle mehr. Ich hatte neulich mit einem Text zu tun, wo ein Übermaß von gefetteten Begriffen die Leser ratlos zurückließ. Wenn Fettungen signalisieren sollen "Das ist wichtig", verwirrt es die Leser, wenn man auf dieses Weise sozusagen jedes zweite Wort hervorhebt.

Ich würde lieber zu anderen Mitteln greifen: kurze Absätze evtl. mit dem Schlüsselbegriff direkt zu Anfang, Zwischenüberschriften, Listen, (farbig unterlegte) Kästen und so weiter.

Eine Ausnahme sind nach meiner Ansicht Texte, die nur für das Lesen am Bildschirm gedacht sind und dort "lockerere" Textarten wie Blogposts. Dort kann die - sparsame - Fettung von Stichwörtern zum Beispiel Orientierung geben. Damit der Leser weiß, wo er ist und was wichtig ist.

Wenn dies eine grundsätzliche Frage ist, können Sie natürlich auch einmal potentielle Leser befragen, was sie als besser lesbar und angenehmer empfinden. Denn es kommt auch auf die "Dosis" an (s. o.) und auf die übrige Gestaltung der Inhalte.

Vielleicht könnte dies der Beginn einer neuen Rubrik in diesem Blog werden: Sie stellen Fragen zum Schreiben und ich antworte, berate, sage meine auf Erfahrung beruhende Meinung. Was denken Sie?

Fragen können Sie z. B. bei Facebook stellen, bei Google+ oder per E-Mail an schreibhandwerk [at] gmail.com. Ich bin gespannt.

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