Donnerstag, 28. April 2016

Texte diktieren, schneller schreiben

Ich habe den Drachen geweckt. Klingt ziemlich poetisch, oder? Und auch ein wenig gefährlich. Aber keine Angst. Was ich tatsächlich getan habe, ist mir die Diktiersoftware Dragon zuzulegen. Bis ich sie dann aber ausrobiert habe, sind Monate vergangen. Ich gebe zu, ich war skeptisch.

Heute habe ich die Software zum ersten Mal in der Praxis erprobt (vorher hatte ich schon ein kurzes Trainung absolviert) und ich bin begeistert. Dragon macht viel weniger Fehler als erwartet und vermutlich sogar weniger Fehler, als ich selbst beim Tippen.

Ich verwende die Software auch jetzt gerade, um diesen Blogpost zu schreiben. Dabei merke ich allerdings, dass es mir schwerfällt, sofort druckreif zu formulieren.

Wozu ich die Software bereits vorher, nämlich heute Morgen, eingesetzt habe und wo sie sich bestens bewährt hat, ist Folgendes: Ich habe mit der Arbeit an meinem neuen Thriller begonnen. (Fun fact: Dragon versteht Füller statt Thriller. Ich glaube, es ist auch lernfähig, aber damit muss ich mich erst noch beschäftigen.)

Bevor ich einen Roman schreibe, mache ich mir jede Menge Notizen. Diese können Dialoge enthalten, Beschreibungen, Teile einzelner Szenen. Um diese Notizen, die ich mir per Hand in einer Kladde gemacht habe, in das Manuskript zu übertragen, eignet sich Dragon hervorragend. Denn in diesem Fall habe ich bereits über die Formulierung nachgedacht und ich habe natürlich auch die entsprechenden Satzzeichen gesetzt, so dass ich sie ohne Zögern mitdiktieren kann.

Einer anderen FüllerThrillerautorin, Joanna Penn, ging es ähnlich wie mir: "Today is my second day and I’ve been putting it off for so long and I’m like, “You idiot, why didn’t you start this earlier,” because it’s amazing." Das Zitat stammt aus einem Interview, das sie mit der Schriftstellerin Elle Casey geführt hat, die schon mehr Erfahrung mit dieser Methode hat.

Offenbar ist das Diktieren von Texten, wie im Grunde alles, ein Lernprozess. Was Casey berichtet, macht jedenfalls Mut. Beim Suchen nach Joanna Penns Post bin ich übrigens auf diesen Beitrag gestoßen, den ich gleich einmal lesen werde: Dictating a Book? Tips for Editing the First Draft.

Ich werde mit Sicherheit weitermachen und mich hoffentlich auch an das Diktieren neuer Texte gewöhnen.

Ich werde berichten :-)

(Drachenfoto: Björn Rudner, CC BY-SA 2.0)

Und hier ein Link zu der erwähnten Software bei Amazon:


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Donnerstag, 21. April 2016

Langsamer schreiben = besser schreiben?

(Foto: http://deathtothestockphoto.com)
Ich kann nicht mit zehn Fingern tippen. Gewöhnlich benutze ich nur zwei. "Das macht nichts. Denn ich kann sowieso nicht schneller denken", sage ich gewöhnlich, wenn die Sprache darauf kommt.

Jetzt hat sich die Wissenschaft der Frage angenommen, wie sich die Schreibgeschwindigkeit auf die Qualität auswirkt. Srdan Medimorec and Evan F. Risko von der University of Waterloo in Ontario/Kanada haben Anfang 2016 einen Artikel veröffentlicht mit dem rätselhaften Titel Effects of disfluency in writing.Ich habe mir die gesamte Arbeit schicken lassen und sie mir durchgelesen.

Die Wissenschaftler haben Probanden Texte entweder mit beiden Händen tippen lassen oder ihnen nur erlaubt, eine Hand zu verwenden. Wie man sich vorstellen kann, schreibt, wer nur mit fünf Fingern tippt (oder vielleicht wie ich, nur mit einem), deutlich langsamer oder "unflüssig"/disfluent. Wer's nicht glaubt, kann's ausprobieren. Ich warte so lange ...

Was die Forscher herausfanden, war dies: Die Studenten sollten entweder erzählende oder argumentierende Texte schreiben, von denen sie glaubten, dass diese benotet wurden. Wenn sie nur eine Hand benutzen durften, verwendeten sie eine größere Vielfalt von Wörtern, mehr ungewöhnliche Wörter und Wortwiederholungen waren seltener. Auf den Aufbau der Sätze (mehr oder weniger komplex) hatte die Art des Tippens keinen Einfluss. Und wer beide Hände benutzen durfte, schrieb tatsächlich schneller und dadurch in der vorgegebenen Zeit mehr Wörter. Die Texte waren also länger.

Leider untersuchten die beiden Wissenschaftler nicht die inhaltliche Qualität, die natürlich auch schwierig zu messen ist. Also genau das, was mich am meisten interessierte.

Schreiben wir also besser, wenn wir langsamer schreiben? Das lässt sich, jedenfalls anhand dieser Studie, nicht kategorisch beantworten.

Hier ein Link zu einer Pressemitteilung zu der Studie: Slow down your typing to improve your writing.

Und hier mein bescheidener Beitrag zur Verbesserung von Texten aller Art:

Neu:


Oder der Klassiker:


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Dienstag, 19. April 2016

Jenny Crusie sagt ...

Die amerikanische Schriftstellerin Jenny Crusie analysiert zurzeit einzelne Folgen der TV-Serie Person of Interest, die zu meinen Lieblingsserien gehört.

In einem Post befasst sich Crusie am Beispiel einer Folge speziell mit dem Thema Establishing Character Through Relationships. Dort schreibt sie unter anderem, und damit komme ich zum Zitat:
Relationships are an excellent way to characterize because they’re action: we’re not told what kind of a person a character is, we see it in the way he or she interacts with others.
Und etwas später:
That means that relationships are one of the best methods for characterization because they’re played out in action and conflict between characters, developing both.
Zu zeigen, wie Charaktere miteinander umgehen und aufeinander reagieren, ermöglicht es uns also, zu zeigen, statt zu erzählen (show, don't tell) und außerdem Konflikte einzubauen. Und wir wissen ja: Ohne Konflikt keine Geschichte.

Freitag, 15. April 2016

Neue Printausgaben meiner Schreibratgeber

Buchcover Schreibratgeber
Mir ist aufgefallen, dass sich das gedruckte Buch meines Ratgebers Gut und verständlich schreiben deutlich besser verkauft als das E-Book. (Bei meinen Krimis ist es übrigens umgekehrt.) Das brachte mich auf die Idee weitere Ratgeber in Printform anzubieten. Ich tue ja alles für meine Leser ;-)

Damit sich das lohnt, müssen die Bücher jedoch eine gewisse Länge haben, anders als E-Books, bei denen das keine Rolle spielt. Das brachte mich auf die Idee, Doppelbände zusammenzustellen. Das Ergebnis:

Buchcover Schreibblockaden RatgeberErstens habe ich Schluss mit Schreibblockaden und Schluss mit Schreibblockaden 2 in einem Buch vereint. Dieses gibt es nun als Printausgabe, die sich auch gut zum Verschenken eignet, sowie als E-Book, das natürlich günstiger ist, als wenn man sich die beiden Einzelbände getrennt zulegt.

Bei der Gelegenheit habe ich die Ausgangstexte gleich aktualisiert. Das gilt vor allem für die vielen Links. Ja, ich verweise bei diesem Thema besonders oft auf weiterführende Informationen im Internet. Wenn man die problemlos ansteuern möchte, bietet es sich also an, das E-Book zu kaufen. Wobei ich die Links in der gedruckten Form natürlich auch angegeben habe.

Buchcover Schreibstil Zweitens habe ich die beiden Ratgeber in einem Buch zusammengefasst, in denen ich die Regeln eines guten Schreibstils mit Hilfe unzähliger Beispiele erkläre. Mein Ziel bei dieser Methode: Die Leser, also Sie, sollen die Grundsätze guten und verständlichen Formulierens, ohne angestrengt zu lernen, einfach beim Lesen und Üben verinnerlichen. Die beiden im neunen Buch enthaltenen Bände sind: Über Schwieriges einfach schreiben und Besser schreiben im Alltag, in Schule, Studium und Beruf.

Allerdings habe ich die beiden Manuskripte nicht einfach aneinandergehängt, sondern stattdessen die Kapitel
neu arrangiert und so zu einem einzigen, doppelt lehrreichen Buch vereint.

Wieder ist das E-Book günstiger als die Einzelausgaben zusammen. Doch in diesem Fall bin ich besonders glücklich über die Printausgabe, und zwar aus folgendem Grund: Weil ich mit so vielen Beispielen arbeite, habe ich versucht, diese vom übrigen Text abzusetzen, um Ihnen, den Lesern, das Leben zu erleichtern. Im E-Book geschieht das, je nach Reader, durch eine andere Farbe (Blau) oder durch eine Grauabstufung bei Geräten, die keine Farben darstellen. Letztere ist jedoch nicht in jedem Reader/in jeder App zu erkennen. Im gedruckten Buch sieht man den Unterschied sehr gut.

Ich habe außerdem in den Beispielsätzen einzelne Wörter manchmal unter- oder durchgestrichen. Auch das lässt sich in der Printversion sehr gut wahrnehmen, jedoch nicht in jedem E-Book-Reader. Ja, auch aus dem E-Book kann man natürlich alles Nötige lernen (und es ist günstiger), es macht jedoch mehr Mühe.

Leider konnte ich keine Lösung finden, die in allen System: Amazon, Android, Apple und dort in den verschiedenen Ausformungen (etwas iPhone und iPad) gleich gut funktioniert. Und ich habe es versucht. Bei diesem speziellen Buch ist bedrucktes Papier meines Erachtens tatsächlich der digitalen Darstellung überlegen.

Hier noch einmal alle Printbücher in meiner bunten Reihe von Schreibratgebern:

Buchcover Schreibratgeber
Außerdem schon länger und weiterhin auch als Printbuch erhältlich:


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Samstag, 9. April 2016

Fettungen im Text: Ja, nein, vielleicht?

Neulich erreichte mich diese Frage einer ehemaligen Teilnehmerin eines meiner Schreibworkshops:
Nun stellen wir uns ... die Frage, wie man mit Fettungen in Texten umgeht, da diese sicherlich auch zur Verständlichkeit beitragen können. ... Gibt es eine Regel, wie man mit Fettungen umgeht (z. B. „weniger ist mehr“)?
Das habe ich zurückgeschrieben (ich habe die Antwort für diesen Post etwas umgeschrieben):
Hier meine von Erfahrung geprägte Meinung (feste Regeln gibt es ja beim Schreiben selten):

Ich bin kein Freund von Fettungen mitten im Text.

Etwas anderes sind natürlich Zwischenüberschriften oder eventuell die ersten Wörter eines Absatzes, die dann eine ähnliche Funktion haben wie eine Überschrift.

Ich finde, Fettungen machen das Schriftbild bei Printprodukten unruhig und wirken etwas unseriös im Sinne von formlos, zwanglos. In Büchern zum Beispiel findet man sie aus gutem Grund normalerweise nicht.

Weniger, wenn überhaupt, ist auf alle Fälle mehr. Ich hatte neulich mit einem Text zu tun, wo ein Übermaß von gefetteten Begriffen die Leser ratlos zurückließ. Wenn Fettungen signalisieren sollen "Das ist wichtig", verwirrt es die Leser, wenn man auf dieses Weise sozusagen jedes zweite Wort hervorhebt.

Ich würde lieber zu anderen Mitteln greifen: kurze Absätze evtl. mit dem Schlüsselbegriff direkt zu Anfang, Zwischenüberschriften, Listen, (farbig unterlegte) Kästen und so weiter.

Eine Ausnahme sind nach meiner Ansicht Texte, die nur für das Lesen am Bildschirm gedacht sind und dort "lockerere" Textarten wie Blogposts. Dort kann die - sparsame - Fettung von Stichwörtern zum Beispiel Orientierung geben. Damit der Leser weiß, wo er ist und was wichtig ist.

Wenn dies eine grundsätzliche Frage ist, können Sie natürlich auch einmal potentielle Leser befragen, was sie als besser lesbar und angenehmer empfinden. Denn es kommt auch auf die "Dosis" an (s. o.) und auf die übrige Gestaltung der Inhalte.

Vielleicht könnte dies der Beginn einer neuen Rubrik in diesem Blog werden: Sie stellen Fragen zum Schreiben und ich antworte, berate, sage meine auf Erfahrung beruhende Meinung. Was denken Sie?

Fragen können Sie z. B. bei Facebook stellen, bei Google+ oder per E-Mail an schreibhandwerk [at] gmail.com. Ich bin gespannt.

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