Freitag, 4. März 2016

Aufschieberitis - die Geheimwaffe besonders kreativer Menschen?

Ich habe dem Überwinden von Schreibängsten, -hemmungen und -blockaden eine ganze Rubrik in diesem Blog gewidmet und außerdem zwei Büchlein zu diesem Thema veröffentlicht. Diese Probleme zu bewältigen ist auch deshalb wichtig, weil die erfolgreichsten Autoren - besonders unter den verlagsunabhängigen - diejenigen sind, die Serien schreiben und die außerdem in der Lage sind, schnell hintereinander möglichst viele Bände zu veröffentlichen. Zwei, drei oder vier pro Jahr sollten es schon sein, heißt es.

Da ist kein Platz für Prokrastinieren (also fürs auf die Langebankschieben). Eine Haltung, der ich mich in der Theorie angeschlossen habe. Auch wenn es mir bisher nicht gelungen ist, sie in die Praxis umzusetzen. Zwischen dem Erscheinen meiner beiden Cori-Stein-Thriller Ohne Skrupel und Das Phönix-Vermächtnis vergingen vier ganze Jahre. In der Reihe der Kaha-Fischer-Krimis habe ich gerade einmal Band einen pro Jahr fertiggestellt: 2013, 2014 und ganz am Ende von 2015.

Gut, ich habe mich offensichtlich nicht nur auf eine Reihe konzentriert. Außerdem bin ich ja auch noch Journalistin und gebe Schreibworkshops. Aber ist das wirklich eine Entschuldigung? Und sollte ich es nicht schaffen, mehr Krimis zu produzieren, um entsprechend mehr Erfolg zu haben?

In der New York Times erschien im Januar ein Artikel von Adam Grant, der Sand ins Getriebe dieser meiner Gedanken und Annahmen streute: Why I Taught Myself to Procrastinate. Dieses Zitat fasst die Hauptbotschaft des Management- und Psychologieprofessors zusammen (Fettung von mir):
while procrastination is a vice for productivity, I’ve learned — against my natural inclinations — that it’s a virtue for creativity.
Adam Grant spricht über einige Studien, die gezeigt haben, dass Menschen, die prokrastinieren, originellere Ideen haben, also kreativer sind. Das ist, wenn man darüber nachdenkt, auch gar kein Wunder, denn unsere ersten Einfälle, so schreibt der Psychologe, sind gewöhnlich ziemlich konventionell. Steve Jobs zum Beispiel und andere Kreative, die Grant nennt, waren notorische Hinausschieber.

Tatsächlich kann ich zumindest mit Blick auf meine jeweils mehr als 500 Seiten langen Thriller sagen, dass ich eine Reihe von interessanten Details, aber auch überraschenden Wendungen und Motiven und Handlungen meiner Charaktere der ausführlichen (absichtvollen) Recherche einerseits, vor allem aber auch dem planlosen Lesen von allem Möglichen und dem Tagträumen andererseits verdanke.

Sprich: Meine Geschichten wären mit Sicherheit vorhersehbarer und weniger originell, wenn ich sie in Windeseile und ohne nach links und rechts zu schauen heruntergetippt hätte.

Mein Fazit: Die Wahrheit liegt, wie so oft und wie leider nicht wirklich erstaunlich, in der Mitte. Ja, es nützt niemandem, wenn ich mich von Ängsten oder Faulheit ausbremsen lasse. Aber: Meine Geschichten profitieren davon (und damit letztlich hoffentlich auch die Leser), wenn ich mich in der mir zur Verfügung stehenden Zeit nicht ausschließlich auf das Schreiben konzentriere. Schöpferische Pausen, ja, das scheinbare Vertrödeln von Zeit (in Maßen!) öffnen den Blick für Unerwartetes und lassen dem Gehirn Zeit zum "Inkubieren", dazu also, Ideen - für uns unbewusst - hin- und herzuwenden, so dass es originellere Lösungen finden kann. Was zur Qualität meiner Texte beiträgt. Hoffe ich :-)

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Und Band 2: