Freitag, 22. Januar 2016

Universitäten aufgepasst: So kann man Plagiaten vorbeugen

Foto: http://deathtothestockphoto.com
Stuart Wrigley beschäftigt sich an der University of Londion damit, wie man Studenten besseres wissenschaftlichs Schreiben beibringen kann. Kürzlich hat er einen interessanten Artikel verfasst: How universities can help students avoid plagiarism: get them to write better.

Besser schreiben? Das ist auch mein Thema. Doch dass es dabei helfen kann, Plagiate zu verhindern, war mir neu.

Wrigley hat den Eindruck, dass Plagiate zunehmen, obwohl es inzwischen Software wie Turnitin gibt, die Universitäten einsetzen, um Abgeschriebenes (oder heute eher Kopiertes) aufzuspüren.

Doch das führt offenbar zu folgendem Phänomen:
... if the student then employs a strategy of copying-and-pasting, and then changing a few token words and phrases – or what I call “de-plagiarism” – then it’s still plagiarism, even if it “beats” Turnitin.
Was steckt dahinter? Studenten, so beobachtet Wrigley immer wieder,
wanted to see their Turnitin report. When they [were] asked why they felt they needed to see it, they admitted to copying and pasting quite large quantities of text and needing Turnitin to help them reduce the percentage of verbatim copying. When I pointed out that this whole approach still constituted academic dishonesty – and hence plagiarism – and that I thought it seriously undermined the spirit of academic endeavour, they were baffled.
Die Unterstreichung habe ich vorgenommen. Das bedeutet also, Studenten glauben, wenn sie nur einige Wörter ersetzen, z. B. Synonyme verwenden, stellt ihr Text kein Plagiat mehr dar, weil die Software es ja nicht als solches erkennt.

Was kann man dagegen tun? Wieder kann eine Beobachtung helfen, die Wrigley in einem seiner Kurse machte:
I noticed that students who hand-wrote their responses to the various paraphrasing tasks produced better writing than those who had typed them. The hand-written responses were clearer, more concise, and, crucially, unplagiarised.
Wer mit der Hand schreibt, kommt gar nicht in Versuchung, sich einen Text per copy and paste zusammenzustückeln und dann leicht abzuändern. 

Foto: Ingrid Glomp
Nebenbei ist das so Geschriebene auch noch kürzer und verständlicher.

Wrigleys Schlussfolgerung: Statt Studenten nur zu ermahnen, nicht zu plagiieren, solle man gutes Schreiben unterrichten. (Hört, hört!)
surely we should be fostering good writing in the university classroom, writing that doesn’t need to plagiarise in the first place.
...
we need to be doing more than simply making Turnitin reports available to students. This simply encourages a jumping-through-hoops, cut-and-paste strategy, instead of real writing and real thinking.
An deutschen Universitäten, so mein Eindruck, sieht es in Bezug auf das Unterrichten von gutem Schreiben noch viel düsterer aus als in Großbritannien. (Eigentlich sollte man es schon in den Schulen lehren. So schwierig ist das nicht - weder das Lehren, noch das klare Formulieren. Einige einfache Regeln zu kennen und zu beherzigen, kann schon einen großen Unterschied machen.)

Wer seine Gedanken gut in (eigene) Worte fassen kann, hat es nicht nötig zu plagiieren, sprich: verspürt nicht das Bedürfnis ganze Passagen aus fremden Texten zu übernehmen und darin eventuell nur einige Wörter zu verändern.

Ja, vielleicht es ein Weg, jungen Leuten kurzfristig den PC wegzunehmen und sie mit der Hand schreiben zu lassen. Ich halte es jedoch für sinnvoller, ihnen zu zeigen, wie man seine Gedanken in verständliche Worte fassen kann, damit sie mehr Übung und mehr Zutrauen zu ihren eigenen Schreibfähigkeiten bekommen.

Schreibworkshops wie meine können Abhilfe schaffen. Oder, weil ich ja nicht überall sein kann ;-), einzelne Lektionen aus diesem Blog (s. z. B. hier und hier) sowie diese Ratgeber:






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