Donnerstag, 17. Dezember 2015

12 Dinge, die ich beim Schreiben meines Thrillers "Das Phönix-Vermächtnis" gelernt habe

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Ich habe mich hier im Blog seit einigen Wochen rar gemacht und sogar meine Reihe Ganz einfach besser schreiben in die Winterpause geschickt. Dafür gab es einen guten Grund – oder eigentlich zwei. Ich habe nämlich einen neuen Cori-Stein-Thriller und einen neuen Kaha-Fischer-Krimi zu Ende geschrieben und veröffentlicht. Dabei handelt sich um zwei ähnliche Romane, was das Genre betrifft, aber doch auch um zwei sehr unterschiedliche Projekte, was zum Beispiel die Stofffülle angeht. Letztere schlägt sich nicht nur in der Länge der Bücher nieder (mehr als 500 Seiten vs. ca. 100 Seiten), sondern auch in der Arbeits/Schreibweise, die das erfordert.

Über einige Erfahrungen, die ich beim Schreiben gemacht, und Erkenntnisse, die ich gewonnen habe, möchte ich in diesem und dem folgenden Post berichten. Vielleicht ist einiges davon ja auch für andere Autoren interessant und hilfreich.

Beginnen wir heute mit dem Schreiben und Überarbeiten meines zweiten Thrillers Das Phönix-Vermächtnis.

Hier leicht abgeändert und gegebenenfalls um weitere Erklärungen ergänzt einige Gedanken, die ich bei Facebook und anderswo während der Arbeit an diesem Projekt notiert habe:

1. Manchmal muss man ganz schön gemein zu den Hauptpersonen einer Geschichte sein. Ich habe gerade ein Kapitel (Nr. 72 für die, die es demnächst nachlesen wollen) redigiert, das einen der zwei oder drei schlimmsten Momente im Leben meiner Thrillerheldin Cori Stein beschreibt. Und das – so viel kann ich verraten –, ohne dass Blut fließt oder das Kapitel überhaupt Gewalt in irgendeiner Form schildert.

Daraus folgt, dass Spannung und Mitfiebern nichts mit Brutalität zu tun haben, sondern damit, dass uns das Schicksal der Figuren nahegeht. Das heißt auch, wir Autoren müssen so schreiben, dass den Lesern unsere Charaktere und das, was ihnen zustößt, nicht egal sind.

2. Ich bevorzuge als Leserin Krimireihen, weil ich es liebe, vertraute Figuren wiederzutreffen. Aber auch als Autorin gefallen sie mir besser als alleinstehende Romane – und aus einem ähnlichen Grund. Immer wieder erfinde ich Charaktere, über die ich unbedingt noch mehr erzählen möchte. Bei mindestens einer Person im ersten Cori-Stein-Thriller bedaure ich es sehr, dass ich sie töten musste. Da haben es Autoren von Übernatürlichem leichter. Wie oft sind die Jungs von Supernatural nicht schon gestorben und weilen letztlich immer noch unter den Lebenden?!

Ausgelöst wurde diese Überlegung übrigens durch eine Anwältin, die früher Schauspielerin war, eine interessante Frau, die aber im 94. Kapitel meines neuen Cori-Stein-Thrillers (Das Phönix-Vermächtnis) nur einen kurzen Auftritt hat. Einer anderen Figur habe ich bereits eine größere Rolle in einem Kurzroman zugedacht (Cori-Stein-Thriller Band 2.5), der vor dem nächsten "richtigen" Roman (Cori-Stein-Thriller Band 3) spielen soll. Mal sehen ...

3. Es hat sich ausgezahlt, dass ich beim Überarbeiten meines Thrillers eine Liste mit sämtlichen Personen angelegt habe. Denn ich habe entdeckt, dass ich denselben Vornamen zweimal verwendet habe. (Das ist mir sogar zweimal passiert. Was soll ich sagen? Es ist ein langes Buch.)

Im wirklichen Leben kann es vorkommen, dass wir mehrere Menschen mit demselben Vornamen kennen. Bei einem Roman könnte es aber manche Leser verwirren, wenn sie erfahren, dass Aidan vor Jahren gestorben ist, und ein paar Kapitel weiter begegnet ihnen ein quicklebendiger junger Mann mit demselben Namen. Jetzt heißt einer von den beiden Kyle.

Ja, Schreiben bzw. Redigieren ist häufiger, als man denkt, Handwerk und Feinarbeit – weitab von Kunst, Inspiration, Musenküssen usw. Aber was tut man nicht alles für die Leser ;-)

PS: Noch eine Entdeckung: Word erkennt das Wort Schiffsrack (ohne w) nicht als falsch. So viel zur automatischen Rechtschreibprüfung ...

4. Das ist mir schon öfter passiert, es verblüfft mich aber immer wieder: Ich schreibe etwas um und entdecke einen halben Satz (oder in meinen Notizen auch Seiten) später, dass ich genau dieselbe Formulierung, zum Beispiel "durch die Regenschleier hindurch", vor Monaten auch schon verwendet habe. Offenbar ist meine Panik, ich könnte etwas vergessen, weshalb ich auch immer Stift und Papier dabei habe, zumindest teilweise unbegründet.

5. Wenn die Autorin beim Schreiben oder Wiederlesen (beim Redigieren) ihres Thrillers selbst mitfiebert, ist das ein gutes Zeichen, oder? Der Produzent und Drehbuchautor Stephen Cannell sagte: "I get up every morning, and I’m not going to work, I’m going to play. I get to play cops and robbers." So fühle ich mich manchmal auch.

6. Langsam geht es vorwärts, jeden Tag ein bisschen ;-) Ich bin leider kein Schnellschreiber und weil meine Geschichte in der Realtität und in verschiedenen Ländern spielt, muss ich außerdem immer mal etwas recherchieren. Wenn ich alle Recherche bis zur Überarbeitung hinausschieben würde, müsste ich u. U. zu viel umschreiben (sprich ganze Handlungen/Handlungsstränge). (s. dazu auch die beiden folgend Punkte)

7. Warum Thrillerschreiben so lange dauert (zumindest, wenn die Geschichten in der Realität spielen)? Weil die Autorin plötzlich feststellt, dass Zypern und Malta so weit voneinander entfernt sind, dass die Heldin mit einer Propellermaschine erst in der Nacht und damit zu spät in Zypern ankommen würde, wenn sie nachmittgs in Malta startet. Ich habe das gerade noch rechtzeitig bemerkt. Recherchen wie diese sind die reinsten Zeitfresser. Jetzt fliegt meine Heldin mit einem Jet :-)

Was ich noch recherchiert habe: die Farben elektrischer Kabel* und ein wenig über Zeitzünder. Was die NSA wohl dazu sagt? *Sie können ganz unterschiedlich sein (s. hier und hier), zum Glück, denn das spielt in der Geschichte eine wichtige Rolle

8. Ich habe gemerkt, dass ich nicht zu den super disziplinierten Menschen gehöre, die neben dem Tagesgeschäft noch einen Roman schreiben können. Jedenfalls nicht, wenn es sich um ein solch kompliziertes Opus mit vielen Personen und mehreren Handlungssträngen wie meinen Thriller handelt und wenn das Buch einigermaßen schnell fertig werden soll. Deshalb habe ich mir 2015 einige Monate dafür frei gegeben (als Freiberuflerin bin ich ja mein eigener Chef).

Ich mag mich so oder so allerdings nicht durch feste Wortvorgabem zur Arbeit antreiben. Erstens ist das nicht realistisch (s. Punkt 7). Zweitens möchte ich mir den Luxus gönnen, dass mir das Schreiben (meistens) Spaß macht.

Was immer für mich funktioniert, egal, was die Bedingungen sind, um Fortschritte bei einem Projekt zu machen oder um nach einer Pause wieder loszulegen: die Methoden Macht der Gewohnheit und kleine Schritte. So bekomme ich jedes Buch – und sei es noch so lang und vielschichtig – fertig. Irgendwann. Wenn ich mich ganz auf das Buch konzentrieren kann, geht's, wie gesagt, schneller.

Was mir das Leben inzwischen leichter macht: Ich weiß nach zwei Thrillern und vielen umfangreichen Artikeln, die ich als Journalistin recherchiert und verfasst habe, dass ich jeden Text beenden kann – und sei er auch noch so lang und kompliziert. Das Einzige, was ich dafür tun muss, ist stur weiterzuarbeiten, das heißt, einen Schritt nach dem anderen zu machen. Diese Erfahrung schützt mich davor, in Mutlosigkeit zu versinken.

9. Ich schreibe nicht streng linear, sondern notiere alles, was mir einfällt, wenn es mir einfällt. Das heißt, ich habe gewöhnlich auch schon einiges in späteren Kapiteln geschrieben, zum Beispiel häufig auch den Schluss. Soll ich mir das vielleicht merken, bis ich die Stelle im Geschehen erreicht habe oder gar wieder vergessen? Nein, alles, was mir einfällt, wird flugs aufgeschrieben ;-) Entweder in der Datei, wenn ich sie gerade geöffnet habe, oder in meinem schwarzen Notizbuch (jedes Buch bekommt ein neues). (S. aber Punkt 4 weiter oben: Man vergisst weniger als man befürchtet.)

Das führt auch dazu, dass die Wort- und Zeichenzahl eines Manuskripts meist deutlich höher ist als die, die der ab dem Anfang linear geschrieben Kapitel entspricht. Bei einem Opus wie Das Phönix-Vermächtnis führt das auch dazu, dass ich einiges mehr oder weniger ausgearbeitet notiert habe, das ich letztlich doch nicht verwende.

10. Die Schreibsoftware Scrivener ist ein Segen, weil man bei einem so komplizierten Buch mit so vielen Personen, so vielen Schauplätzen, so viel Recherche alles jederzeit verfügbar hat und darauf leicht zugreifen kann. Und nachdem ich mir beim dritten Kaha-Fischer-Krimi nun auch endlich beigebracht habe, wie man den Text als EPUB-E-Book ausgeben kann ...

11. Das Folgende habe ich streng genommen nicht gelernt, es ist mir bei diesen Gelegenheitem nur wieder bewusst geworden: Ideen können jederzeit von überall her kommen. Das bedeutet erstens: Es lohnt sich, ständig Augen und Ohren offen zu halten und aufmerksam zu sein. Zweitens bedeutet es: Wir Autoren haben einen ziemlich langen Arbeitstag ;-)

Darüber habe ich im Zusammenhang mit diesem Thriller schon woanders zwei Posts geschrieben. Wo meine Ideen herkommen, ein kleines Beispiel und Die Krimiautorin bei der Arbeit.

12. Es kann beim Schreiben helfen, sich anhand der so genannten Logline immer wieder daran zu erinnern, was die Kerngeschichte ist. Besonders, wenn man einen langen, verwickelten Thriller schreibt. Deshalb ist eine solche Kürzestzusammenfassung nützlich, auch wenn ich als Indie-Autorin meine Geschichte im Vorfeld niemandem (Agent, Verlag) schmackhaft machen muss, sie also für diese Zwecke, für die eine Logline ursprünglich gedacht war, nicht benötige. Wie ich eine Logline entwerfe, habe ich hier geschildert: Die Logline: Darum geht es in meinem 2. Cori-Stein-Thriller.

So, dies ist ein ziemlich umfangreicher Beitrag geworden. Aber Das Phönix-Vermächtnis ist ja auch ein dickes Buch und ich habe ciel Zeit und Arbeit hineingesteckt ;-)

Im nächsten Post berichte ich von meinen Erfahrungen beim Schreiben des dritten Kaha-Fischer-Krimis Wer tötete Miro? Dabei habe ich insofern für mich neues Terrain betreten, als ich einfach damit begonnen habe, eine Geschichte zu erzählen, ohne vorher einen Plan zu machen.

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