Mittwoch, 12. August 2015

Schwierige Wörter entschärfen

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Lange, ungewohnte und abstrakte Wörter hemmen den Lesefluss. Umgekehrt wirken wir klüger, wenn wir einfach schreiben, s. dieser Post.

Nicht immer jedoch können wir auf schwierige (Fach)Begriffe gänzlich verzichten. Das gilt besonders für Wissenschaftler und entsprechend war dies ein Thema in einem meiner Workshops, die ich neulich an der Uni Köln gehalten habe.

Ein Rat, den ich den Teilnehmern gebe, lautet: Lesen Sie, was Sie schreiben wollen. Also Veröffentlichungen, Dissertationen usw. Ich meine damit aber auch: Lesen Sie Artikel in guten Zeitungen oder Zeitschriften über Ihr Forschungsgebiet. So lässt sich zum Beispiel der Wortschatz erweitern.

Unser Problem heute lautet jedoch: Wie lassen sich schwierige, sperrige Wörter für Leser zugänglicher machen?

Auch in dieser Hinsicht können Wissenschaftler von Schreibprofis, sprich: von Journalisten, lernen.

Zwei Mittel, die jeden Text verständlicher machen


1. Verzichten Sie, wo möglich, auf Substantive und verwenden Sie aktive, dynamische Verben.

Drei Beispiele aus der Neuen Zürcher Zeitung:

Die OECD spricht sich in ihren Empfehlungen nicht für ein bestimmtes Finanzierungsmodell aus.
Die OECD erwartet ...
Andernfalls drohten erhebliche Engpässe bei der Versorgung der Menschen.

Ein Beispiel aus der ZEIT:

Antreiber der Ausbildungsreform ist der Deutsche Pflegerat, auch Krankenpflegeverbände befürworten die Umstrukturierung.

Nicht schlecht, aber nicht ganz konsequent in der Umsetzung ;-)

Besser:
Der Deutsche Pflegerat drängt auf eine Ausbildungsreform und auch Krankenpflegeverbände befürworten die Umstrukturierung. (Falls das gemeint war.)

Beispiel aus einem Teilnehmertext:
Vor Einführung der Pflegeversicherung war die Akteurskonstellation ein relativ stabiles Geflecht von staatlichen und wohlfahrtsverbandlichen Akteuren.

Wenn wir etwas vereinfachen, wird daraus:
Vor Einführung der Pflegeversicherung arbeiteten staatliche Stellen und Wohlfahrtsverbände relativ reibungslos zusammen. (Falls das gemeint war.)

2. Konstruieren Sie kurze, übersichtliche Sätze.

Zwei Beispielsätze aus der Neuen Zürcher Zeitung:
Obwohl 2008 nur ein Drittel der Pflegebedürftigen in Heimen oder in Sanatorien untergebracht war, entfielen auf sie zwei Drittel aller Kosten.
Die Langzeitpflege müsse auf eine breitere Basis gestellt werden.

Wörter wie Pflegebedürftige, Sanatorien und Langzeitpflege sind leichter verdauchlich, wenn man sie uns in einfachen Sätzen präsentiert.

Beispiel aus einem Teilnehmertext:
Auch besitzen DFG-Kollegs innovativere Betreuungsstrukturen im Vergleich zum traditionellen „Meister-Schüler-Modell“, indem sie auf interdisziplinäre, interinstitutionelle und, soweit möglich, auf internationale Betreuerteams für die Promovenden setzen.

Besser:
Auch besitzen DFG-Kollegs innovativere Betreuungsstrukturen im Vergleich zum traditionellen „Meister-Schüler-Modell“. Sie setzen auf interdisziplinäre, interinstitutionelle und, soweit möglich, internationale Betreuerteams.

Alles was ich getan habe, ist, einen langen Satz in zwei kürzere zu unterteilen.

So viel zu allgemeinen stilistischen Mitteln.

Drei spezifischere Methoden, um schwierige Wörter zu "entschärfen"


Anschauliche Texte sind verständlicher.

Versuchen Sie, einen Sachverhalt griffiger darzustellen, indem Sie
  1. ihn erklären („Das heißt, …“)
  2. ein Beispiel nennen („… zum Beispiel …“) 
  3. ihn mit etwas vergleichen, das der Leser kennt („… so/ähnlich wie …“). 
Bonuspunkte, wenn Sie eine Idee für eine Grafik haben.

Hier ein Beispiel aus der ZEIT:

In einem Reformpapier heißt es, dass Pflegekräfte künftig in "multiprofessionellen Teams mit einem steigenden Anteil an Hilfskräften" arbeiten sollen. ((Erklärung))Das bedeutet: Die Fachkräfte sollen sich mehr und mehr auf die Körperpflege fokussieren, die Beschäftigung mit den alten Menschen übernehmen andere.

Und hier eines aus der FAZ:

Geplant ist dort beispielsweise ein besserer Personalschlüssel: ((Beispiel))So soll ein Pfleger nur noch für höchstens 20 Patienten zuständig sein.

Hier haben wir es sozusagen mit einem Beispiel in einem Beispiel zu tun ;-)

Zum Schluss ein Tipp:
Manchmal haben Sie in Ihrem Text vielleicht schon eine Erklärung eingebaut. Sie müssen dem Leser nur zeigen, dass es sich um eine solche handelt. Mit Formulierungen wie:
Das heißt …
Das bedeutet …
Dahinter steckt …
Weitere Tipps zum Thema "Über Schwieriges einfach schreiben" finden Sie in meinem gleichnamigen Büchlein:




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Infos zum Bild: Ich habe für das Bild eine Grafik von Lukas Kästner abgeändert, s. Flickr, die er dort unter folgender Creative Commons-Lizenz zur Verfügumg gestellt hat: Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0).