Donnerstag, 30. Juli 2015

Gar nicht so einfach für Wissenschaftler: sich beim Schreiben von Quellen lösen

Foto: http://deathtothestockphoto.com
Manchmal geschieht es, dass ich selbst durchs Lehren etwas Neues lerne bzw. dass ich durch Fragen angeregt werde, etwas, das ich "irgendwie" weiß, präzise zu formulieren.

Neulich war es wieder soweit. Ich habe an der Kölner Uni mehrere Schreibworkshops für Wissenschaftler unterrichtet. Dabei wurde ich gefragt, was man tun soll, wenn Texte schwer verständlich sind und ungelenk wirken, weil man sich in Bezug auf Formulierungen zu sehr an die Ausgangslitertur hält. Also (zu) viel zitiert oder sonstwie an der vorgegebenen Wortwahl klebt.

Als Journalistin berichte ich häufig über Forschungsergebnisse. Das "Übersetzen" von Fachliteratur also gewissermaßen mein täglich Brot.

Aber ich denke, vielen Wissenschaftlern wird dieses Verhalten bekannt vorkommen: Aus Angst, etwas falsch wiederzugeben, oder auch, weil man etwas nicht hundertprozentig verstanden hat, behält man Wörter und Sätze der betreffenden Quelle bei, selbst oder gerade wenn sie alles andere als leicht verständlich sind.

Das Problem: Wenn Sie selbst diese Passagen kaum begreifen, wie wird es dann erst Ihren Lesern ergehen?

Die Lösung?

Erstens müssen wir uns solange mit den betreffenden Quellen beschäftigen, bis wir den Sinn wirklich erfasst haben. Zur Not sollten wir zum Telefon greifen oder eine E-Mail schreiben, um einen der Autoren zu kontaktieren und zu fragen: "Sie schreiben hier das und das. Habe ich das richtig verstanden, dass Sie das so meinen? ..."

Nach meinen Erfahrungen (als Journalistin) sind die meisten Experten sehr aufgeschlossen, wenn sie spüren, dass man ehrlich interessiert ist und sich nicht aus Faulheit an sie wendet, sondern weil man trotz aller Bemühungen allein nicht weiterkommt.

Wenn Sie wissen, worum es in der jeweiligen Literatur geht, sollten Sie sich zweitens von Ihrem Schreibtisch und Ihrem Computer entfernen und Folgendes ausprobieren:
Stellen Sie sich vor, dass Sie jemandem das erzählen, worüber Sie schreiben wollen.

Automatisch greifen Sie zu anderen, einfacheren Wörtern und Ihre Sätze werden kürzer. Ohne Hilfsmittel wie Papier oder Bildschirm kann unser Gehirn lange, komplizierte Begriffe und Bandwurmsätze nämlich nicht handhaben.

Formulieren Sie also die Ergebnisse oder Erkenntnisse aus der Literatur im Kopf. Erst dann schreiben Sie das Ganze in fünf, höchstens zehn Sätzen auf. Voilà einige neue, besser lesbare Formulierungen, die Sie in Ihren Text übernehmen können.
Diese Methode hilft auch ganz allgemein, wenn Sie sich einfacher ausdrücken möchten.

Demnächst geht es weiter mit einem verwandten Problem, ebenfalls aus einem der Workshops.

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