Mittwoch, 3. September 2014

Lassen Sie Ihre Leser nicht im Unklaren, verwenden Sie konkrete, spezifische Begriffe

Diesen Post schreibe ich ganz spontan, sozusagen aus aktuellem Anlass.

Ich arbeite im Moment an einem Artikel und lese in einem Buch, das mir als Quelle dient:
Personality characteristics, such as extraversion or openness to experience, may influence the likelihood of subsequent growth ...
Aha. Soso. Ahnen Sie, was mich stutzen lässt? Genau, das Wort "influence". Bestimmte Eigenschaften "beeinflussen" das persönliche Wachstum. Beeinflussen? Ich ahne, dass die Autoren meinen "fördern". Dass also Offenheit zum Beispiel gut ist. "Beeinflussen" kann aber auch in die entgegengesetzte Richtung wirken. Es könnte also sein, dass die genannten Charakteristika das Wachstum behindern.

Was tue ich also als gewissenhafte Journalistin? Ich muss weiterrecherchieren und vielleicht bis zur ursprünglichen wissenschaftlichen Veröffentlichung zurückgehen. Seufz.

Wäre ich eine einfache Leserin des Buchs und aufmerksam, wüsste ich nicht, was gemeint ist, und bliebe ratlos zurück. Würde ich den Text überfliegen, könnte es sein, dass ich zufällig tatsächlich verstehe, was gemeint ist. Vielleicht glaubte ich aber auch nur zu verstehen und das Gegenteil von dem, was ich mir merke, ist der Fall.

Und nur weil die Autoren ein allgemeines Verb verwendet haben, nämlich "beeinflussen", statt eines spezifischen. (Anmerkung: Manchmal ist "beeinflussen" natürlich präzise genug. Aber nicht in diesem Fall.)