Montag, 29. September 2014

"Aktiv" - ein beliebtes Füllwort

Um die Herausforderungen der digitalen Welt zu verstehen, muss man sich aktiv mit den Möglichkeiten digitaler Medien beschäftigen. 

Mit leckeren Gerichten den Cholesterinspiegel aktiv senken 

Solche Sätze und Überschriften lese ich in letzter Zeit häufig.

Und was man nicht alles aktiv unterstützen kann oder soll (einfach mal googeln): den Tierschutz, den Fellwechsel, Musikschulen, die Krebstherapie, Qualitätsmanagement und den Friedensdialog in Kolumbien, um nur einige -- sicher allesamt sinnvolle -- Dinge zu nennen

Ich frage mich immer: Warum muss man erwähnen, dass diese Handlungen aktiv erfolgen? Wenn ich etwas tue, bin ich dann nicht automatisch aktiv?

Aktiv explizit zu nennen, ergibt nur einen Sinn, wenn dem etwas Passives gegenübersteht: bei aktiven und passiven Mitgliedschaften zum Beispiel oder ebensolchen Impfungen.

Ich weiß, aktiv signalisiert scheinbar Tatkraft. Doch es verhält sich mit diesem Adverb so ähnlich wie mit dem Wort erfolgreich, über das ich schon gebloggt habe: Ändert sich der Sinn eines Satzes nicht, wenn Sie es weglassen, dann streichen Sie es. Und beobachten Sie, wie dies Ihre Aussage wider Erwarten stärkt.