Montag, 11. August 2014

Klischees – Nachteile und Vorteile

Einige Gedanken über Klischees, ausgelöst durch das Betrachten von Floskelwolken und das Lesen eines Artikels über Metaphern in der Medizin.

1. Die Metapher von heute ist das Klischee von morgen

Viele Floskeln, laut Duden nichtssagende Redensarten; formelhafte, leere Redewendungen, und Klischeewörter, abgegriffene Wörter, haben einmal als Metaphern angefangen. Beispielsweise der sintflutartige Regen; das grüne Licht, das jemand gibt; erdrutschartige Ereignisse; schmerzhafte Einschnitte; oder auch Menschen, die in den Startlöchern stehen oder sich zu weit aus dem Fenster lehnen.

Dafür gibt es einen guten Grund. Metaphern sind anschaulich und weil sie schwierige Vorgänge oder Zusammenhänge mit bekannten Dingen und Erfahrungen vergleichen, erleichtern sie das Verstehen. Der oben erwähnte Artikel über Metaphern in der Medizin nennt in diesem Zusammenhang eine Studie:
One study, from 2010, found that physicians use metaphors in almost two-thirds of their conversations with patients who have serious illnesses. Physicians who used more metaphors were seen as better communicators. Patients reported less trouble understanding them, and felt as though their doctor made sure they understood their conditions.
Das Fazit der Studie lautete:
The use of metaphors and analogies may enhance physicians' ability to communicate.
2.  Originelle Autoren vermeiden Klischeewörter

Metaphern, die besonders gut funktionieren, erfreuen sich im Laufe der Zeit immer größerer Beliebtheit, bis sie eines Tages verblasst, ausgelutscht und abgenutzt sind. Sprich sie sind farblos und fade und haben ihre Schlagkraft verloren.

Wer Interessantes mitzuteilen hat oder lebendige Geschichten schreiben will, sollte solche Ausdrücke meiden wie die Pest. (Das ist eine Meta-Floskel, denn verschiedene Autoren haben sie mit einem Augenzwinkern in Texten über Klischeewörter eingesetzt. Tut mir leid, ich konnte nicht widerstehen.)

3. Floskeln helfen, wenn viele Menschen etwas schnell verstehen sollen

Wenn man andererseits möglichst vielen Personen etwas möglichst schnell und verständlich mitteilen möchte, sind Floskeln meines Erachtens durchaus ein geeignetes Mittel. Zum Beispiel bei Hörfunknachrichten können sie hin und wieder als Kürzel funktionieren. Etwas von ihrer Bildkraft haben sich nämlich selbst Klischees wie absegnen, durchwinken und der berühmt-berüchtigte wackelnde Stuhl erhalten.

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