Freitag, 25. Juli 2014

Wie ich meine eigenen Schreibwiderstände überwinde -- eine Geschichte in Bildern

Aller Anfang ist schwer -- das sagt man nicht ohne Grund.

Es ist wieder so weit. Ich sitze an meinem zweiten Thriller und wie beim ersten werde und werde ich nicht fertig. Dafür gibt es gute Gründe, schließlich muss und will ich mit Artikeln und Schreibworkshops meinen Lebensunterhalt verdienen. Da bleibt manchmal nicht viel Zeit oder Kraft für anderes. Außerdem handelt es sich wieder um eine komplexe Geschichte, die meine Heldin in verschiedene Länder führt, die von politischen und anderen Zusammenhängen handelt, die ich nicht einfach so erfinden kann, sondern recherchieren muss, und die vermutlich wieder mehr als 500 Seiten umfassen wird.

Es ist aber auch so, dass ich das Schreiben zu häufig hinausschiebe (auf Neudeutsch: ich prokrastiniere). Das heißt, besonders schwer fällt es mir, die Datei zu öffnen und mit dem Schreiben zu beginnen. Was nicht so ungewöhnlich ist. Vielen geht es so. Deshalb möchte ich in diesem Post erklären, wie ich es in den letzten Wochen geschafft, endlich wieder besser voranzukommen.

1. habe ich mir einen kleinen Kalender ausgedruckt und darin die Tage abgehakt, an denen ich an meinem Roman und zwischenzeitlich auch an meinem kürzeren Krimi Lisa, Ben und Tim gearbeitet habe. So sieht der Kalender aus (das Foto ist schon etwas älter):


Die Idee dahinter nennt sich Don't break the chain. Man möchte eine möglichst lange, ununterbrochene Kette von Tagen erzeugen, an denen man an dem betreffenden Projekt gearbeitet hat. Wie Sie sehen können, wirkt das auf mich nur mit Einschränkungen motivierend. Auch wenn der Juni und Juli besser aussehen, habe ich nicht wirklich Probleme damit, Gründe zu finden, die Kette zu unterbrechen.

2. habe ich den Umstand genutzt, dass ich in Cafés besonders gut und konzentriert schreiben kann und dass ein Grund dafür vermutlich die Hintergrundgeräusche sind. Um Zeit und Geld zu sparen, habe ich das Café ins Haus geholt. Das Internet macht's möglich.


Ich setze Kopfhörer auf und höre dank Coffitivity die Stimmen und andere Töne in einem Campuscafé.Weitere Geräusche gibt's zum Beispiel hier, hier und hier.

3. Als weiteres Signal, mit dem Schreiben zu beginnen, stelle ich mir einen Küchenwecker. Und zwar soll er nach 15 Minuten klingeln.


Nur ein Viertelstündchen lang will ich mich zwingen, meine Geschichte weiterzuspinnen. Warum nur so kurz? Weil ich die Methode Kleine Schritte anwende, die ich hier im Blog vor einiger Zeit bereits beschrieben habe.

4. habe ich mich aber auch für 15 Minuten entschieden, weil ich mir einen weiteren Trick bei Samantha Bennett abgeschaut und sogar auf eine Karteikarte geklebt habe:


Was mir immer wieder hilft, etwaige innere Widerstände zu überwinden, ist der zweite Teil von Samanthas Rat: "and play around ... in a light, fun, beta-testing sort of a way". Der Gedanke, nur spielen zu wollen, vertreibt jeglichen (Erfolgs)Druck. Auch darüber gibt es bereits einen Post in diesem Blog.

Mein Fazit: Auf dem Kalender bleiben immer mal Tage oder auch eine Woche oder mehr unabgehakt. Für mich funktionieren starre, strenge Maßnahmen wie "Don't break the chain" nicht so gut. Sie reizen mich eher zum Widerspruch und Widerstand.
Was sich besser bewährt, ist ein flexibler Ansatz, eine Mischung aus der Macht der Gewohnheit (halbwegs regelmäßig, aber nicht zwangsläufig täglich zu schreiben), kleinen Schritten und dem Gedanken, einfach ein wenig mit meinen Ideen und Geschichten zu spielen. Dann schreibe ich letztlich nicht nur eine Viertelstunde, sondern so gut wie immer längere Zeit, oft sogar Stunden.
Hintergrundgeräusche sind ganz nett und ein Signal, mit dem Schreiben zu beginnen, aber nicht entscheidend.
Was ich schließlich noch (erneut) entdeckt habe, nämlich mit Hilfe meines Krimis Lisa, Ben und Tim: Wenn sich eine Geschichte dem Ende zuneigt, brenne ich von ganz allein darauf, sie fertigzustellen und kann auf Tricks aller Art verzichten. Der Wunsch, die Geschichte zuendezuerzählen, reicht als Motivation völlig aus :-)

Falls Sie noch mehr darüber wissen möchten, wie Sie Schreibwiderstände und -ängste überlisten und überwinden können, empfehle ich meine Büchlein
Schluss mit Schreibblockaden -- 12 erprobte Methoden
und
Schluss mit Schreibblockaden 2: Noch mehr erprobte Methoden
oder den günstigeren Doppelband, von dem es auch eine Print-Version gibt: