Donnerstag, 22. Mai 2014

Einige Gedanken zur Rechtschreibung

Vor Kurzem wurde in einer Autorengruppe bei Facebook, zu der ich gehöre, eine Rechtschreibfrage diskutiert. Ich glaube es ging darum, ob man rarmachen getrennt oder zusammen schreibt. Und natürlich sprach man darüber, was der Duden dazu sagt. Ich glaube, der Fragestellerin gefiel dessen Schreibweise nicht.

Ich habe das nicht weiter verfolgt. Aber mir ist aus diesem Anlass wieder bewusst geworden, dass ich bei meinem eigenen Schreiben die Dinge inzwischen entspannter sehe. Wenn ich als Journalistin Texte für Auftraggeber verfasse, bemühe ich mich, sie "dudenfest" zu machen. Schreibe ich aber auf eigene Verantwortung, wie hier oder in meinen Krimis, die ich ohne Verlag veröffentliche, dann bin ich großzügiger, wenn es darum geht, was erlaubt ist und was nicht.

Das hat auch etwas damit zu tun, dass ich mich vor einiger Zeit für einen meiner Workshops mit den Regeln im Englischen beschäftigt habe. Und dabei entdeckte, dass diese viel individueller und fließender sind als diejenigen in unserer Sprache. Schreibt man die Wörter in der Überschrift eines Artikels groß? Beziehungsweise welche schreibt man groß und welche nicht? Das hängt von den Vorgaben der einzelnen Zeitschrift ab. Manchmal heißt es, dieses oder jenes wird im britischen Englisch so, im amerikanischen jedoch so gehandhabt. Meist jedoch mit der Einschränkung tendenziell.

Zurück zu meinen Texten. In meinem Thriller Ohne Skrupel habe ich zum Beispiel nicht das W bei russischen Begriffen verwendet, sondern das V. Warum? Letztlich weil mir Vodka und Vlad besser gefallen als Wodka und Wlad. Und was ist passiert?

Hat sich mein Text aufgelöst und ist verschwunden?

Nein, ich habe ja kein Naturgesetz ignoriert.

Kam die Rechtschreibpolizei und hat mich verhaftet?

Nein, denn ich habe auch gegen keine gesetzliche Bestimmung der Bundesrepublik Deutschland verstoßen.

Bei den Regeln des Dudens handelt es sich lediglich um Konventionen, auf die sich irgendwelche Gremien geeinigt haben. Manches etwa entstand durch die letzte Rechtschreibreform. Die FAZ folgte den Regeln zunächst nicht, ihre Texte waren trotzdem lesbar. (Nur für manche Journalisten wurde es vielleicht schwieriger zu wissen, wo sie was wie schreiben sollten.)

Wie außerdem jeder wissen dürfte, sind eine Menge Vorgaben des Duden alles andere als konsequent und logisch. Mein Lieblingsbeispiel: Wir sollen schreiben die beiden, der Einzelne, die meisten/Meisten. Warum? Keine Ahnung. Auch beim Duden versteht man jedoch, dass es sich bei Schreibweisen eben nicht um Naturgesetze handelt, und so sind in vielen Fällen verschiedene "erlaubt".

Meine eigene neue Gelassenheit bedeutet nun nicht, dass meine Rechtschreibung wie Kraut und Rüben durcheinandergeht. Habe ich mich einmal für eine Schreibweise in einem Text entschieden, verwende ich sie durchgehend -- oder versuche es zumindest. Denn ein Hin und Her könnte Leser irritieren oder sogar ärgern. Und das will ich auf keinen Fall, denn die Leser sollen sich auf die Inhalte konzentrieren und am besten gar nicht wahrnehmen, wie ich diese niedergeschrieben habe.

Meine Rechtschreibregel für Texte, die ausschließlich ich selbst verantworte, lautet deshalb: Erlaubt ist, was mir und (mutmaßlich) der Mehrzahl meiner Leser gefällt -- oder Letztere zumindest nicht übermäßig stört.