Donnerstag, 24. Januar 2013

Schreiben Sie wie für Facebook - oder wie fürs Theater

Wenn Sie möchten, dass Menschen sich an Ihre Texte - oder Teile davon - erinnern, fassen Sie sich kurz und verwenden Sie einfach Wörter.

Wissenschaftler der Uni Warwick haben entdeckt, dass Menschen sich an Sätze aus Facebook-Meldungen besser erinnern können als an Sätze aus Fiction- und Non-Fiction-Büchern.

Und so kommentiert die Wissenschaftlerin Laura Mickes ihre Erkenntnisse (die Hervorhebung stammt von mir): "Writing that is easy and quick to generate is also easy to remember -- the more casual and unedited, the more 'mind-ready' it is. Knowing this could help in the design of better educational tools as well as offering useful insights for communications or advertising."

An das, was wir mühelos schreiben, können andere sich leicht erinnern.

Oder noch weiter gedacht: Wenn man Wichtiges mitzuteilen hat, formuliert man es am besten auf die Schnelle im Kopf. Denn dann bleibt es Lesern im Gedächtnis.

Was entsteht beim Texten in Gedanken nämlich nicht? Richtig: mit Fremdwörtern und Adjektiven vollgestopfte Schachtelsätze. Dafür brauchen wir Papier oder Bildschirm als Gedächtnisstütze. 

Wenn Sie eher zur Hochkultur tendieren: Auch dies sind Sätze, an die sich viele von uns mühelos erinnern:
Durch diese hohle Gasse muss er kommen.(1)
Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube(2)
Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust!(2)
Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor!(2)
To be, or not to be, that is the question (Sein oder nicht sein ...)(3)
Something is rotten in the state of Denmark. (Es ist was faul im Staate Dänemark.)(3)
Though this be madness, yet there is method in 't. (Ist dies schon Tollheit((oder: Wahnsinn)), hat es doch Methode.)(3)
A horse, a horse, my kingdom for a horse. (Mein Königreich für ein Pferd) (4)
He who can, does. He who cannot, teaches.(5)
Warum erinnern wir uns so gut daran?

Nicht nur, weil wir diese Zitate klug oder witzig finden. Sondern auch, weil sie einfach und kurz formuliert sind.

Das ist kein Wunder, denn sie stammen alle aus Theaterstücken (die Auflösung finden Sie am Ende dieses Posts.) Und auf der Bühne muss man sich kurz fassen - zumindest, was die einzelnen Sätze angeht.

Erstens kann wohl kaum ein Schauspieler ellenlange Schachtelsätze, die gespickt sind mit vielsilbigen Wörtern, ausdrucksvoll sprechen. Vor allem aber können die Zuschauer sie nicht auf Anhieb verstehen. Und zurückblättern und einen Satz mehrmals von vorn anfangen - das ist im Theater nicht möglich. Zum Glück. Denn so beschert es uns jede Menge griffige Sprüche.

Wir merken uns also: Wenn man schreibt, wie man spricht, beziehungsweise, wenn man fürs Sprechen schreibt, dann können Leser sich die Botschaft besser merken.

Jetzt wissen Sie, warum ich zu Beginn dieses Posts empfahl:

Fassen Sie sich kurz und verwenden Sie einfache Wörter!

Weitere Tipps finden Sie in meinen Ratgebern:

Die Lösungen:
(1) Wilhelm Tell (Friedrich Schiller); (2) alle (und viele mehr) aus Faust (Johann Wolfgang von Goethe); (3) alle (und viele mehr) aus Hamlet (William Shakespeare); (4) Richard III (William Shakespeare); (5) Man and Superman (George Bernard Shaw)