Dienstag, 8. November 2011

Kindle und Co.: Mehr Freiheit für Autoren

Ich habe in letzter Zeit mehrere empfehlenswerte Blogposts von Indie-Autoren gelesen, die mir zu denken gaben, und zwar im positiven Sinne:

1. Das Abenteuer geht weiter von Petra van Cronenburg
Dort schreibt sie u. a.:
Self Publishing ist zur echten Option geworden, vor allem, wenn man auf die guten outgesourcten Lektorinnen und Grafikerinnen zurückgreifen kann, die gelernt haben, wie man ein gutes Buch macht. Schmuddel-Image wird eigentlich nur noch in Kollegenkreisen oder der Verlagswelt kolportiert, den Leserinnen ist es längst herzlich egal, welcher Verlag auf dem Cover steht.
Und:
... zeichnet sich schon jetzt ab, dass sich der Buchmarkt völlig neu strukturiert, dass das "Prinzip Buch" diesmal vom Leser neu definiert wird ...

... Aber wie viele Verlage schanzen einem lausige Lektoren zu, machen keinerlei Werbung fürs Buch, verramschen nach Rekordzeiten? Plötzlich haben wir Autoren eine Wahl. Wir sind nicht mehr Bittsteller, wir können Nein sagen.
Über Verlagsreaktionen zu einem neuen Buchprojekt schließlich schreibt sie:
Für jeden dieser Verlage müsste ich mein Thema genau auf dessen absolut nischiges Programm zurechtbürsten - und nicht auf das, was dem Thema am besten täte... Früher hätte ich Kompromisse geschlossen. Schlimmer noch: Ich hätte demütig meine Exposées geschrieben, für jeden ein anderes. Hätte meine Idee zigmal umgebürstet und die Runde gemacht und ewig gewartet und gebangt.
Aber heute nicht mehr, denn
Mein nächstes Sachbuch wird also wieder im Self Publishing entstehen.
2. You Aren't Asking the Right Questions von CJ Lyons
Fragen nach ihrem Erfolgsgeheimnis beantwortet die Thrillerautorin so:
“what” I did was put my readers first. By giving them a chance for free books. By risking putting my bestseller on sale. By sharing my hopes and dreams through my Lyons’ Tales newsletter.
Und weiter:
WHY do I not spend a lot of time tweeting or facebooking or blogging or fill in the blank of the current trendy promo tool? Because I need my time and energy to write and I feel my books are my best promotional tools. If I use my time to get more books out there, I’m keeping my readers happy and increasing my chances to find new ones.
...
... every decision ... focused on one thing. What would make my readers happy.
Not make every reader happy. That’s beyond my power. I focused on my readers. The people who respond to my Thrillers with Heart.
3. Doing the Unthinkable von Lee Goldberg.
Lassen wir den Autor der Monk-Krimis selbst erzählen, was er Undenkbares getan hat:
I am walking away from a hugely successful book series, one published in multiple languages around the world, and from the certainty of another three-book contract and an increase in my advance.
There was a time, not so long ago, when the idea of ending a hit book series ... with a major publisher would have been inconceivable to me and just about every author I know.
But the publishing world has completely changed.
So war es früher:
The Monk books, like the Diagnosis Murder novels that I wrote before, were licensed tie-ins.
...
I am still very proud of the books…which is why I find it incredibly frustrating that I have written 22 novels that I dearly love but that don’t belong to me.
They belong to studios.
Und jetzt?
Instead of writing two books a year for Penguin/Putman, I will be writing that many books… or more…for myself that I own.
...
It’s a bold, exciting new world for authors and I haven’t been this excited about writing since I was a teenager.

Bei der Lektüre dieser Posts ist mir Zweierlei noch einmal ganz klar geworden:
Weil ich meinen Thriller OHNE SKRUPEL selbst und ohne Verlag als Kindle-EBook veröffentlicht habe,
- brauchte ich keinen Verlag zu suchen,
- denn/und der Leser steht im Mittelpunkt.

Das muss man sich einmal klar machen. Bei dieser neuen Art des Buchveröffentlichens spielen nur zwei Personen eine Rolle: der Autor und der Leser. Es gibt keine Vermittler mehr.

Das bringt uns Autoren nicht nur die bekannten Vorteile:
- mehr Geld pro Buch,
- mehr Kontrolle (über den Text, das Cover, den Preis, das Erscheinungsdatum, die Rechte ...).

Ich brauchte auch nicht um einen Verlag für meinen Thriller zu buhlen (oder gar in einem vorgeschalteten Schritt zusätzlich um eine Agentur). S. die Auszüge aus Petra van Cronenburgs Post. Ich brauchte keine Exposees zu schreiben, keine Beschreibungen meiner Hauptfiguren, keine Anschreiben - und das (vermutlich) vielfach, auf die Vorgaben der jeweiligen Ansprechpartner zugeschnitten und immer wieder auf Hochglanz poliert.
Ich brauchte nicht auf Antworten zu warten.
Ich brauchte den Plot nicht auf Wunsch umzubauen, und das evtl. wieder und wieder.

Dass ich das nicht mehr zu tun brauche, ist ungemein befreiend - und zeitsparend. Meine Energie kann ich statt in das Schreiben von Exposees usw. in das Schreiben von Geschichten stecken. Zum Beispiel des zweiten Bands meiner Thriller-Reihe.

Die Leser stehen im Mittelpunkt, s. der Post von CJ Lyons. Ihnen muss mein Buch gefallen bzw. noch nicht einmal allen, sondern nur einer genügend großen Anzahl. Auch das ist befreiend. Denn natürlich werde ich mir die Anmerkungen meiner Betaleser, die meinem Zielpublikum entsprechen, zu Herzen nehmen. Und auch Kritiken werde ich aufmerksam lesen. Aber ich kann, solange ich genügend Leser finde, die Geschichten schreiben, die ich will. Und wie ich will*.

Aufregende Zeiten für Autoren (s. Lee Goldbergs Post).

*Das bezieht sich auch auf die Form. Schon veröffentlichen Autoren Kurzgeschichten und Novellen, die wegen mangelnder Länge bei Verlagen schwer bis gar nicht unterzubringen waren. Vermutlich finden diese Texte nicht so viele Leser wie ausgewachsene Romane - aber die Autoren können selbst entscheiden, ob ihnen das genügt. Meine Thriller haben längenmäßig eher die gegenteilige Tendenz - aber auch da brauche ich bei einem Kindle-EBook keine Rücksicht auf irgendwelche Vorgaben oder Standards zu nehmen.

Mein neuer Thriller



Und hier je ein Buch der drei zitierten bloggenden SchriftstellerInnen: