Dienstag, 30. August 2011

Seien Sie (geschlechter)gerecht

Wohl niemand wird gerne ignoriert. Und doch passiert es Frauen immer wieder, dass sie, manchmal absichtlich, oft unabsichtlich, nicht angesprochen werden beziehungsweise sich nicht angesprochen fühlen. Auch die Leistungen von Frauen werden häufig übersehen und damit Verhältnisse zementiert, die längst überholt sein sollten.

Was meine ich damit? Nun, wenn von Chefs die Rede ist, was sehen Sie vor sich? Vermutlich (nur) Männer. Stimmt’s? Ebenso bei Chirurgen, Regisseuren oder Astrophysikern. Obwohl sich in allen diesen Gruppen auch Frauen finden lassen. Und langsam werden es mehr. Wobei das vielleicht schneller ginge, wenn die Sprache nicht althergebrachte Vorstellungen unterstützen würde.

Beiden Geschlechtern in Texten gerecht zu werden, bedeutet in der Regel, den Eindruck zu vermeiden, das Geschriebene richte sich vorwiegend an Männer und die Akteure seien hauptsächlich männlichen Geschlechts.

Lesern gerecht zu werden, bedeutet, klar, einfach und lebendig zu formulieren.

Beides zu verbinden, gleicht häufig der Quadratur des Kreises.

Meine pragmatische Lösung sieht so aus: Wenn ich befürchte, dass eine althergebrachte Sichtweise den Blick auf die gleichberechtigte Realität verstellt, erwähne ich zu Anfang eines Artikels (und wenn er länger ist, auch noch einmal mitten drin) zum Beispiel Ärztinnen und Ärzte, Justizminister und Justizministerinnen der Länder oder Professorinnen und Professoren. Eine durchgehende Erwähnung beider Geschlechter in dieser Form hält jedoch kein Text aus, ohne bizarr zu wirken.

Andererseits richtet sich dieses Blog offensichtlich an Frauen und Männer und jeder und jede versteht (hoffentlich), dass beide Geschlechter gemeint sind, wenn ich beispielsweise über Leser und Autoren spreche.

Manchmal ergibt es sich, dass ich, schon um Wiederholungen zu vermeiden, in einem Artikel von Jungen und Mädchen (statt Schülern) schreibe oder von Personen oder Frauen und Männern statt von Teilnehmern. Auch so lassen sich die Bilder im Kopf der Leser beeinflussen. Oder ich greife auf andere geeignete Möglichkeiten zurück, beide Geschlechter zu erwähnen , indem ich etwa alle schreibe statt jeder.

Ansonsten baue ich darauf, dass die Realität und unser Bewusstsein sich mehr und mehr ändern. So dass wir nicht nur, wenn von Menschen oder den deutschen Bundeskanzlern die Rede ist, automatisch Männer und Frauen (beziehungsweise eine Frau) vor unseren geistigen Augen sehen, sondern auch bei Bezeichnungen wie Astronauten, Vorstandschefs oder Nobelpreispräger. So wie es bei Personen umgekehrt auch automatisch der Fall ist. (Oder denken Sie dabei nur an Frauen, weil es die Person heißt? Oder bei Menschen, weil maskulin, nur an Männer?)

Denn darum geht es doch letztlich: dass Leser im Allgemeinen und die weiblichen im Speziellen wissen und fühlen, dass mit solchen Bezeichnungen Frauen und Männer gemeint sind.

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