Freitag, 3. Juni 2011

Von Tucholsky guten Satzbau lernen

In seiner Glosse Ratschläge für einen schlechten Redner erklärt Kurt Tucholsky indirekt unter anderem, wie man klare, übersichtliche Sätze formuliert.

Rat Nr 1:
Sprich mit langen, langen Sätzen – solchen, bei denen du, der du dich zu Hause, wo du ja die Ruhe, deren du so sehr benötigst, deiner Kinder ungeachtet, hast, vorbereitest, genau weißt, wie das Ende ist, die Nebensätze schön ineinandergeschachtelt, so daß der Hörer, ungeduldig auf seinem Sitz hin und her träumend, sich in einem Kolleg wähnend, in dem er früher so gern geschlummert hat, auf das Ende solcher Periode wartet ... nun, ich habe dir eben ein Beispiel gegeben.
Daraus lernen wir: Keine Schachtelsätze, und erst recht keine mit Überlänge. S. a. mein Posts Haben Ihre Texte Bandwurmsätze? und Übersichtliche Sätze.

Rat Nr. 2:
Du mußt alles in die Nebensätze legen. Sag nie: »Die Steuern sind zu hoch.« Das ist zu einfach. Sag: »Ich möchte zu dem, was ich soeben gesagt habe, noch kurz bemerken, daß mir die Steuern bei weitem...«
Daraus lernen wir: Hauptsachen gehören in den Hauptsatz, Nebensachen (oder besser: Ergänzungen) in den Nebensatz.