Donnerstag, 16. Juni 2011

Autoren, Verträge und Moneten

Die Buchautorin und Publizistin Cora Stephan sprach kürzlich in ihrer Keynote auf den Buchtagen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels über die aktuellen Entwicklungen auf dem Buchmarkt und die Chancen, die sich für Autoren bieten:
Wenn also Verlage und Buchhandlungen ihre Bücher nicht mehr an- oder verkaufen, denken solche Autoren, weil sie nur noch auf Bestseller setzen, kann man es getrost auch selbst tun. Das Einfallstor dafür: das E-Book und amazon, wo man Autoren 70 % vom Verkaufspreis anbietet.
Und sie prophezeite:
Amazons verführerisches Angebot an die Autoren wird nicht heute, aber morgen von vielen Autoren genutzt werden.
Damit Autoren jedoch das "verführerische Angebot" von Amazon annehmen können, müssen sie natürlich die Rechte an ihren Büchern besitzen - seien es neue oder Backlist-Titel.

Mehr als je zuvor heißt es kaufmännisch denken und Verträge genau lesen, ehe man sie unterschreibt oder nicht unterschreibt oder abändert, ehe man sie unterschreibt. Denn wer die Rechte auch an der EBook-Veröffentlichung exklusiv/ausschließlich und auch noch unbefristet abgetreten hat, steht dumm da, weil dann der Verlag das Geschäft macht. (Oder evtl. niemand, wenn der Verlag die EBooks zu teuer anbietet, aber das ist ein anderes Thema.)

Auch haben sich die Wege, wie Schriftsteller mit ihren Büchern Geld verdienen können und wie nicht, geändert oder sind dabei sich zu ändern.

Ich lese seit Kurzem mehrere Blogs, in denen es u. a. um solche Fragen geht und darum, was Autoren beachten sollten. Einiges mag (noch?) vorwiegend für den amerikanischen Markt gelten, vieles ist aber für alle Menschen, die vom Schreiben leben (wollen), wichtig.

1. Hochinteressant sind die Posts von Kristine Kathryn Rusch in ihrer Rubrik Business Rusch, etwa The Business Rusch: Writing Like It’s 1999, ein Beitrag, den ich jedem nur wärmstens empfehlen kann. Dort schreibt sie:
Here’s the flat truth of it, my friends: If you are a midlist writer and you sign a traditional publishing contract with most modern terms, and you do so with an agent—and not an IP attorney—negotiating for you, you will not make any more than your advance on that book.
Und weiter:
Ten years ago, traditional publishing—while not a friendly industry (I don’t think there are any)—did not screw its artists the way that the music industry and Hollywood did.

Ten years ago.

Not any more.

Dieser Post und einige andere haben mich sehr nachdenklich gemacht.

2. Ebenfalls empfehlenswert: das Blog von Dean Wesley Smith (dem Ehemann von Kristine Kathryn Rusch), speziell die Rubriken New World of Publishing und Killing the Sacred Cows of Publishing, z. B. der Beitrag Self-Publishing is a Bad Idea, in dem er das Fazit zieht:

The traditional publishers’ control over what readers can read has ended. The traditional publishers’ control over what writers can write and get into print has ended.

Hochinteressant ist auch der Post The Secret of Indie Publishing in der Rubrik Think Like a Publisher. Dort gibt Smith Autoren den guten Rat:

An indie publisher needs a lot of products across a lot of sales locations all selling small amounts.
Sowie:
Indie publishers need to start looking at the averages. And make writing new product the most important thing you do every day.
3. Der dritte Blogger im Bunde nennt sich Passive Guy und sein Blog The Passive Voice. Ich zitiere mal aus About:
We talk about disruptive changes and change agents in publishing, including:
  • Indie Authors
  • Ebooks
  • Ereaders
  • Ebookstores
  • Self-publishing Promotion and Advertising
  • Book Pricing Trends
  • Disintermediation of Traditional Publishing Gatekeepers
  • Emerging Legal and Contract Issues

And also about writing.

Über den Autor ist dort zu lesen:
Passive Guy is an attorney, but he doesn’t practice law any more.
Das erklärt jedoch, warum es in diesem Blog auch immer wieder um rechtliche Fragen geht, natürlich auch in der Rubrik Contracts.

Lesenswert und wichtig z. B. der Beitrag Strip Mining the Authors, in dem Passive Guy einen ebenso wichtigen Post von K. K. Rusch kommentiert, etwa so:
As will be abundantly clear from Kris’ examples, traditional publishers and the new agents-turned-publishers are making a brazen grab for as many rights from authors as possible while reducing the amount of money they will pay authors for their books. This is the new strip mining model for publishing.
Wie diese Beispiele hoffentlich zeigen, ist es heute für Autoren, ob sie nun mit traditionellen Verlagen zusammenarbeiten oder indie publizieren, wichtiger denn je, juristisch und kaufmännisch die Augen offen zu halten. Die drei Blogs, die ich hier vorgstellt habe, bieten gute Ausgangspunkte, Informationen und Anregungen.