Freitag, 4. März 2011

Indie-Autoren und ihre (guten) Erfahrungen

Ich habe schon öfter über die Möglichkeiten gebloggt, die das unabhängige Publizieren für Autoren bietet (z. B. hier und hier). In erster Linie, aber nicht nur, mittels E-Books. Und ich habe dabei vor allem den amerikanischen Genre-Autor J.A. Konrath erwähnt, der über dieses Thema im Allgemeinen und über praktische Aspekte im Besonderen sehr ausführlich und interessant bloggt. Am Mittwoch zum Beispiel über: Monetizing Your Intellectual Property.

Ein weiterer Autor, der die Möglichkeiten für sich entdeckt hat ist Lee Goldberg, s.
in einem Post in J.A. Konraths Blog
sowie in seinem Blog z. B.
You Can Become a Kindle Millionaire, Part 21,
Publishers Screwing Authors out of E-Book Royalties,
Getting Dirty On Her Own
sowie
The Fall of the Paper Curtain
über seine Erfahrungen und die von anderen AutorInnen.

Der britische Observer brachte jetzt eine ausführliche Geschichte Kindle gives thriller writer a plot for success – at 71p a shot nicht nur, aber vor allem, über den Autor Stephen Leather und seine Erfahrungen. Diese drei Herren sind allesamt Schriftsteller, deren Bücher auch in Verlagen erscheinen.

Was ihnen und andere Autoren beim Indie-Publishing gefällt: Sie verdienen bei E-Books pro Buch ein Vielfaches von dem, was Verlage ihnen bieten. Was sie aber auch schätzen: Die Geschwindigkeit. Man schreibt das Buch, dann kann es erscheinen. (Es vergehen nicht Jahren, bis man einen Verlag gefunden und der dann das Buch produziert hat. Von der noch vorgeschalteten Suche nach einer Agentur zu schweigen.) Die Gestaltungsmöglichkeiten: Der Autor/die Autorin allein bestimmen, wie z. B. das Cover aussieht. Schließlich kann man alle die Bücher herausbringen, für die ein Verlag, warum auch immer, keine Chance sah oder die vergriffen sind. Man kann Bonusmaterial hinzufügen: ein Interview, den Anfang eines zweiten Buchs, ein ganzes zweites Buch, ein anderes Ende ... Man kann (bei Kindle z. B.) peinliche Fehler praktisch sofort korrigieren. Usw. usf.

Man/frau muss aber gar nicht jemals von einem Verlag akzeptiert worden sein, um als Indie Erfolg zu haben, wie das Beispiel von Amanda Hocking zeigt, die in dem Observer-Artikel ebenfalls erwähnt wird.

Sie dient (natürlich) auch als Erfolgsbeispiel in dem kenntnisreichen Artikel Verleg' dich selbst - und mach' Millionen! von Frank Patalong bei Spiegel Online. Das Einzige, was mir darin fehlt, ist der Hinweis, dass man keinen Reader oder TabletPC benötigt, um E-Books zu lesen. Ein Smartphone oder ein MP3-Player wie der iPod Touch tun's auch - und es funktioniert viel besser, als ich es noch vor nicht allzu langer Zeit gedacht hätte. (Ich lese E-Books z. B. mit der Kindle-Software auf dem iPod und habe ebenfalls auf dem iPod sogar schon einmal ein kostenloses Buch von J.A. Konrath im pdf-Format gelesen. Nach wenigen Minuten hat man sich dran gewöhnt und liest wie in jedem anderen Buch.)

Nun mein Bekenntnis: Auch ich bin eine Indie-Autorin. Schon seit etwa zwei Jahren.

Meine Erfahrungen: Wie die genannten Autoren habe ich bei Verlagen und als Indie-Autorin veröffentlicht. Ich bin Co-Autorin zweier "konventionell" erschienener Sachbücher und habe mit einem Verlag, was Lektorat, Werbung usw. angeht, schlechte, mit dem zweiten gute Erfahrungen gemacht. Mein Schreibratgeber Gut und verständlich schreiben ist eine Indie-Produktion, weil ich einfach nicht die Geduld hatte, einen Verlag zu suchen oder mir von jemandem in das Format (es ist ein Ratgeber in Workshop-Form) hinienreden zu lassen. Und die vielen, begeisterten Stimmen zu dem Buch geben mir Recht.

Ich habe daraufhin Angebote für ähnliche Bücher von zwei Verlagen bekommen. Eines habe ich angenommen, das andere empört abgelehnt. Dort hatte man mir für ein Buch, für das ich noch viel hätte recherchieren müssen, 8 % vom Verlagserlös geboten (das sind ca. 4 % vom Nettoladenpreis) und die E-Book-Rechte hätte ich abtreten müssen, ohne zu wissen, was ich dafür bekomme. 4 Prozent - mehr trägt die Autorin zu einem Buch nicht bei bzw. mehr ist das, was ich zu einem Buch beitrage, nicht wert? Wenn das so ist: Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur ... (Hier gibt's noch mehr Text für Bücher.)

Das zweite Angebot für ein kleineres Büchlein, das nicht gar so viel Arbeit erfordert, war besser, aber auch nur geringfügig. Ich habe es angenommen, weil ich es als Investition in Werbung betrachte (den Stundenlohn, den ich damit erziele, mag ich mir nicht ausrechnen). Die Vorbehalte gegen Indie-Autoren sind (noch) recht groß, so dass ich damit auf relativ schmerzarme Weise zeigen kann: Jawohl, seht her, ich schreibe gut genug, dass ein echter, seriöser Verlag etwas von mir drucken will.

Meine Kurzkrimis veröffentliche ich indiemäßig, denn da fehlt mir wieder die Geduld, mich auf die bei Kurzgeschichten-Sammlungen extrem mühsame Suche nach einem Verlag zu machen. (Einzelne Kurzkrimis sind zuvor bereits in Verlagsanthologien erschienen.) Der Thriller, von dem ich ca. 3/4 fertig habe? Wir werden sehen. Ich prophezeie jedoch: Sollte die Agentur/Verlagssuche sich hinziehen, veröffentliche ich zuerst bei Kindle und dann sehen wir weiter. Denn auch das passiert inzwischen: Dass eine Autorin zuerst indie publiziert und sich dann ein Verlag für sie interessiert. Ich sage nur Nele Neuhaus, oder: Die Krimikönigin aus der Vorstadt, wie die FAZ sie nennt.

Über meine persönlichen Tipps zum Publizieren mit Kindle und Co. schreibe ich in meinen beiden nächsten Posts.