Mittwoch, 16. März 2011

E-Books für Kindle veröffentlichen - Einige Tipps aus der Praxis

Ich habe bisher zwei E-Books für Kindle selbst veröffentlicht** und möchte hier berichten, wie ich dabei vorgegangen bin. Es ist nicht die einzige und vermutlich auch nicht die beste Herangehensweise, aber so hat es für mich funktioniert.

Zuerst sollte man natürlich die Anleitungen für Autoren auf der Kindle Direct Publishing(KDP)-Website lesen. Dort erfährt man z. B., welche Datei-Formate für Cover und Text sich hochladen lassen.

Das Cover für meine (gedruckte) Kurzgeschichtensammlung habe ich von einem Profi gestalten lassen (s. mein vorheriger Post). Für das E-Büchlein, das nur die vier Kurzkrimis mit meiner Mannheimer Detektivin enthält, habe ich die einfachste Möglichkeit gewählt: Ich habe das Cover mit Word gestaltet und dann ins jpeg-Format konvertiert (mit Microsoft Paint, weil ich das habe, aber es gibt natürlich auch andere Wege).
(Ergänzung vom 17.7.11: Inzwischen habe ich ein neues Cover designt. Wie, beschreibe ich hier: Neues Cover für mein Kindle-Kurzkrimi-EBook.)

Mit dem zweiten Büchlein habe ich übrigens angefangen. Weil es weniger Text enthält, diente es mir als Probelauf. Es gibt eine hilfreiche Vorschaufunktion bei KDP, mit der man überprüfen kann, wie das Cover und der Text auf dem Kindle aussehen werden. Allerdings lässt sich damit nicht feststellen, ob die Links z. B. des Inhaltverzeichnisses funktionieren. Bei mir war das der Fall. Doch selbst, wenn nicht, das Gute beim Veröffentlichen mit KDP ist, dass man alles auch im fertigen Produkt noch ändern kann, so oft man will.

Jetzt aber zur Aufbereitung des Texts. Ich habe eine Datei benutzt, die ich für das gedruckte Buch verwendet hatte (für die Veröffentlichung bei BoD). Dies waren die Schritte, die ich durchgeführt habe:

1. Seitenzahlen entfernen. Schriftgröße und Seitenränder spielen keine Rolle. Denn bei dem fertigen E-Book gibt es keine Seitenzahlen und keine unterschiedlichen Seitenränderund die Schriftgröße stellt sich der Leser selbst ein. Wobei nach meiner Erfahrung die größere Schrift der Überschriften im fertigen E-Book erhalten bleibt.

2. Leerzeilen zwischen einzelnen Passagen in einem Kapitel raus, sieht m. E. im Text nicht so gut aus. Auch zwischen Kapiteln etc. sind sie ungeschickt.

3. Um sicherzugehen, dass z. B. jedes neue Kapitel oben auf einer Seite anfängt: Seitenumbrüche (manuell) einfügen, und zwar nach der Titelseite, nach dem Inhaltsverzeichnis, nach den Kapiteln bzw. bei meinem Kurzkrimiband jeweils nach den einzelnen Geschichten

4. Einzüge am Beginn von Absätzen entfernen. Angeblich sollen sie beim Umwandeln des Manuskripts erhalten bleiben*, aber bei meinen Texten war das nicht der Fall. Absätze stattdessen durch "6 Punkte nach" o. Ä. trennen (das lockert das Schriftbild auch etwas auf).

5. Inhaltsverzeichnis samt Links zu den Kapiteln bzw. einzelnen Geschichten anlegen. Ich hab's gemacht wie Christopher Meeks, und zwar mit der zweiten Methode, die er beschreibt. Kurz gesagt, geht es so: Erst bei/direkt vor jeder Überschrift/Kapitelnummer eine Textmarke einfügen und mit einer Bezeichnung versehen; Titel oder Nummer des Kapitels im Inhaltsverzeichnis markieren, Ctrl K, dort aktuelles Dokument anklicken, Bezeichnung von Textmarke anklicken.

6. Text als HTML-Datei speichern.

7. Bei Amazon KDP hochladen.

8. Mit Vorschaufunktion überprüfen.

9. Freigeben.

So weit einige Punkte aus der Praxis, die ich wichtig finde.

Eine Menge Tipps und eine kurze Anleitung, wie man den Text mit Calibre formatieren kann, bietet auch ein Kleiner Leitfaden: Wie schreibe ich als Autor und Blogger ein Kindle eBook? von eBookNews.

Weitere Ratschläge mit jeweils etwas anderen Vorgehensweisen finden sich in dem pdf-Dokument Is "kindling" for you? von Thriller-Autorin CJ Lyons sowie in dem Blogpost Formatting Your Documents for the Kindle in 8 Steps von Nicole Rodgers.

Es führen offensichtlich viele Wege nach Rom bzw. zu einem Kindle-EBook.

Noch ein Hinweis zu den Steuern. Das ganze Prozedere für Nicht-Amerikaner (es handelt sich ja um amazon.com) wirkt ziemlich kompliziert und abschreckend.

Wichtig ist folgende Passage:
Please note that neither a U.S. TIN nor an IRS Form W-8BEN is required for non-U.S. payees to receive royalty payments. However, if you are a non-U.S. payee, we must withhold U.S. taxes on your royalty payments at the rate of 30% unless you are a resident in a country with which the U.S. has an existing income tax treaty and you provide us with a valid IRS Form W8-BEN (with a valid U.S. TIN).
Das heißt für mich, um eine U.S. Tax Identification Number (TIN) usw. kümmere ich mich erst, wenn ich mit meinen Kindle-Büchern so viel verdiene, dass mich eine Besteuerung von 30% in den USA schreckt. Was hoffentlich bald der Fall ist ;-)

Möglicherweise erledigen sich die Probleme mit der Bezahlung aber auch einfach dadurch, dass das Veröffentlichen/Verkaufen in einem separaten Kindle-Store für Deutschland möglich wird (so wie jetzt schon in UK). Was, so hört man munkeln, schon bald passieren könnte, s. Deutsche Bestseller im US-Kindle-Store.

Einige allgemeinere Überlegungen zum Thema finden Sie in meinem Post Kindle-EBooks: Ansichten einer Indie-Autorin.

*Nachtrag vom 10.5.11: Ich habe inzwischen ein weiteres Buch bei Kindle eingestellt (meinen Schreibratgeber Gut und verständlich schreiben - in zehn einfachen Schritten) und dieses Mal hat Kindle alle Absatzanfänge (und auch Überschriften) eingerückt, obwohl ich das in meinem Manuskript nicht vorgesehen habe und auch nicht wollte. Nach einigem Hin und Her habe ich etwas gefunden, das dies verhindert, und zwar in der Anleitung From Word to Kindle von Aaron Shepard. Kurz gesagt muss man in der Word-Datei einen Sondereinzug in der ersten Zeile festlegen, diesen aber so klein wählen (ich habe 0,01 cm genommen), dass man ihn nicht sieht. Shepards Post enthält, wie der Titel schon sagt, auch noch eine Menge andere Tipps zur Formatierung für den Kindle.

**Und das bei einem weiteren (meinem Schreibratgeber) wieder rückgängig gemacht, denn wie sich herausstellte, habe ich die Rechte exklusiv bei Vertragsabschluss an Bod abgetreten. Daraus lernen wir: a) Verträge genau lesen und b) keine EBook-Rechte voreilig abtreten und nie exklusiv.

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