Dienstag, 14. Dezember 2010

Keine Angst vorm Schreiben: 5. An mehreren Projekten arbeiten

Wenn man mit einem Text nicht weiterkommt, wenn es einem nur bei dem Gedanken ans Schreiben schon graut, braucht man manchmal nur etwas Abwechslung.

Es ist also gut und richtig, immer mehrere Projekte in der Mache zu haben. Denn dann können Sie sich einem anderen Text zuwenden, wenn Sie sich ausgepowert fühlen. Oft hilft das schon. Und unter dem Strich sind Sie so vermutlich erheblich produktiver.

Eine Variante dieser Vorgehensweise lässt sich auf größere Werke wie einen Roman anwenden: In diesem Fall widmen Sie sich einfach einem anderen Aspekt der Aufgabe. Wenn Sie zu müde zum Schreiben sind, recherchieren Sie, denken Sie über Ihre Hauptfigur nach, redigieren Sie. Oder arbeiten Sie an etwas Speziellem wie der Beschreibung eines Ortes oder einer Person oder schreiben Sie, wenn Sie dazu Lust haben, einfach eine spätere Szene.

Als Journalistin habe ich es in dieser Beziehung leicht, denn ich arbeite nie an nur einem Artikel. Einen einzigen Auftrag zu akquirieren, den Artikel zu schreiben und erst dann etwas Neues zu beginnen, wäre unter finanziellen Gesichtspunkten tödlich. Ich arbeite folglich zu jeder Zeit an mehreren Texten, die sich in unterschiedlichen Stadien befinden (Recherche, Gliederung, erste Fassung, Überarbeitung). Wenn Sie dann noch bedenken, dass ich an einem Roman sitze (einem Thriller, mehr als zur Hälfte fertig!) und offensichtlich Blogposts verfasse, sehen Sie, dass ich diese Methode konsequent anwende ;-)

Aber, und das ist ein großes und gewichtiges Aber, Sie müssen diszipliniert vorgehen und sich Texten, die sie beiseite gelegt haben, auch wieder zuwenden und sie irgendwann beenden. Diese Methode ist nicht zu verwechseln mit Prokrastination (auf deutsch: Aufschieberitis). Denn dann haben Sieam Ende tausend angefangene Texte, aber keinen einzigen fertigen. Kurz: Sie müssen sinnvolle Projekte auswählen und aufpassen, dass Sie sich nicht verzetteln.

Wer gleichzeitig an mehreren Texten arbeitet und außerdem nach dem Grundsatz verfährt, dass jedes Bisschen, das man schreibt, besser ist als nichts (s. mein Post Kleine Schritte), kann erstaunlich produktiv sein. Denn statt das Gehirn leer laufen zu lassen und Löcher in die Luft zu starren, wendet man sich einfach einer anderen Aufgabe zu und arbeitet eine Zeit lang daran. So schafft man es, peu à peu eine Menge Wörter und Texte in den PC und zu Papier zu bringen. Probieren Sie's aus.

Das meinen zwei Experten:

„So I did what I always do when I am stuck. ... I turned to something else, something like a palate cleanser, an “amuse bouche” in cooking terms. I turned to a different project, something smaller, that was broken into tinier pieces. A book of poems“, schreibt die überaus produktive Kinder- und Jugendbuchautorin Jane Yolen in ihrem Writer's Journal.

„Have more than one idea on the go at any one time. If it's a choice between writing a book and doing nothing I will always choose the latter. It's only if I have an idea for two books that I choose one rather than the other. I ­always have to feel that I'm bunking off from something”, sagt Geoff Dyer im Guardian.

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