Donnerstag, 4. November 2010

E-Books: Gedanken einer Leserin und Autorin

Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit dem Thema E-Books und denke:

1. Sie werden in Zukunft einen großen Teil des Buchmarkts ausmachen, aber Papierbücher nicht völlig verdrängen. Weil sie, zumindest für den Kindle von Amazon, so spielend leicht zu erwerben sind, werden sie den Buchverkauf ankurbeln. Das deutet sich, soweit ich weiß, schon jetzt an.

2. Als Leserin habe ich mir gerade einen iPod Touch gekauft und die Kindle-Software installiert. Man kann sie auf verschiedenen Apparaten (PCs etc.) installieren, braucht also nicht unbedingt das Lesegerät von Amazon. Vorgestern Abend habe ich zum ersten Mal einen Krimi auf dem iPod gelesen und nach wenigen Minuten Eingewöhnungszeit ging das erstaunlich gut, obwohl der iPod-Bildschirm wirklich klein ist.

Der Vorteil für mich als Leserin: Manche Bücher sind günstiger. Wobei das gerade bei manchen deutschen Verlagen leider nicht gilt (ich habe sogar schon erlebt, dass ein E-Book teurer war als das gedruckte). Außerdem habe ich herausgefunden habe, dass ich für einen Krimi, für den der amerikanische Autor 2,99 $ auf Amazon.com verlangt als "internationaler" Kunde 5,74 $ bezahlen muss. Mich würde schon interessieren, wer die Differenz bekommt. Bestimmt nicht der Autor. Aber die Tendenz geht dahin, dass E-Books preiswerter sind als gedruckte.

Ein großer Vorteil: Man spart Platz, besonders wichtig auf Reisen. Man kann das Buch nicht "verlieren" oder "verlegen", denn wenn ein Gerät z. B. kaputt geht, kann man sich das Buch auf ein anderes laden (jedenfalls beim Kindle; Bücher des Anbieters ciando wiederum kann man zumindest auch online lesen). Nachteil: Man kann Bücher (noch) nicht verleihen. Obwohl es bei Amazon (bald? schon?) die Möglichkeit zum einmaligen Verleihen für zwei Wochen geben soll.

3. Als Autorin bin ich ein Fan von Amazon/Kindle, weil die Konditionen für Autoren sehr günstig sind. Wenn die Bücher in den USA oder UK verkauft werden, erhält der Autor 70 % des Preises minus "Lieferkosten". Amazon gibt folgendes Beispiel:
For a US Dollar sale, if your book has a file size of 0.400 megabytes and a List Price of $8.99, the Delivery Cost for a sale in US Dollars will be $0.06 (0.400 MB x $0.15 = $0.06), and your Royalty will be $6.25 (($8.99 – $0.06) x 70% = $6.25).
Nachzulesen hier.

Eine deutsche Krimiautorin habe ich auch schon bei Amazon. com und Amazon.co.uk entdeckt: Gesine Schulz.

Bei Verhandlungen mit Verlagen sollten Autoren die Entwicklungen im Auge behalten und bei Verträgen für E-Buch-Rechte bessere Konditionen als für Papierbücher fordern, denn die Verlage sparen sich einiges (Papier, Lager, Transport ...) und wenn ein Autor direkt zu Amazon geht, bekommt er bis zu 70 % (s. o.). Auf keinen Fall werde ich in Zukunft einen Vertrag unterschreiben, ohne mir genau anzuschauen, wie es mit den E-Book-Rechten aussieht bzw. wie sie vergütet werden. Denn selbst wenn E-Books im Moment noch einen recht kleinen Marktanteil haben, kann das in drei, fünf oder zehn Jahren schon ganz anders aussehen.

Vor Raubkopien habe ich übrigens keine Angst, denn ich denke, der positive Effekt der Werbung überwiegt. Es gibt mindestens eine Studie, die zeigt, dass die Leute, die Musik raubkopieren, auch die sind, die sehr viel Musik kaufen (hier noch eine). Wie der Autor Paulo Coelho diesen Effekt für seine Buchverkäufe in Russland genutzt hat, kann man hier nachlesen und hier. Das ist auch einer der Gründe, weshalb ich dem Verleger Ralph Möllers zustimme der sagt: "DRM ist böse."

Ich denke, der Krimiautor J. A. Konrath hat Recht, wenn er sagt, E-Books verkaufen sich dann gut, wenn sie komfortabler (runterzuladen usw.) sind als Raubkopien oder zumindest ebenso einfach zu handhaben und wenn sie billig sind. Dann gibt es keinen Grund für den Leser, Raubkopien mehr oder weniger mühsam zu suchen usw. Beim Verlag (und beim Autor, wenn sein Anteil angemessen ist) käme auch bei niedrigen Preisen durch die gestiegene Anzahl der Verkäufe genug Geld in die Kasse. Falls man auf einen Verlag verzichten kann und will, dann kann der Verkauf über Amazon Monat für Monat ein schönes Sümmchen auf das Konto spülen. (Wenn man Glück hat, gut schreibt und/oder ein Händchen für PR hat.) Über all das schreibt Konrath sehr ausführlich in seinem empfehlenswerten Blog.

Nachtrag (vom 12.1.11) zum Thema Raubkopien:
1. Joanna Penn fragt Piracy vs Obscurity: Which Is Worse For Authors?
2. Johannes Haupt schreibt (die Überschrift ist etwas irreführend) iPad beflügelt eBook-Piraterie

Kurz: E-Books sind ein Thema, an dem LeserInnen und AutorInnen in Zukunft kaum vorbeikommen.

Für alle, die es ausprobieren möchten: Beim Project Gutenberg*gibt es viele kostenlose E-Books (Bücher, deren Rechte abgelaufen sind) für verschiedene Reader. Beim E-Book-Anbieter ciando ist der Donnerstag, also z. B. heute, freeBook-Day, d. h. es gibt ein E-Book umsonst. Ich selbst habe es allerdings noch nicht ausprobiert. Zu ciando: Die E-Books, die dort angeboten sind, funktionieren auf einigen Readern (nicht jedoch Kindle), einigen Smartphones und auf PCs. Von mir gibt es dort einen Schreibratgeber:

* hier der Link zum deutschen Projekt Gutenberg. Ich weiß allerdings nicht, in welchen Formaten die Texte vorliegen.