Donnerstag, 14. Oktober 2010

Erträgliche und unerträgliche Bandwurmsätze

Mein heutiger Post ist als Ergänzung und Erklärung zu einem früheren Beitrag gedacht, der sich dem Thema Bandwurmsätze widmete:

Aus dem täglichen Lesen: Ein Prachtexemplar von einem Bandwurmsatz.

Denn nicht alle langen Sätze sind gleich unverständlich und problematisch.

Sehen Sie selbst:

(Beispiel 1) Ein Autor, der, um Lesern Sachverhalte, die an sich so leicht zu verstehen sind, dass jeder sie begreifen kann, darzulegen, Gedanken in Gedanken schachtelt, verklausuliert die Botschaft so, dass kein Mensch sie sofort, ohne dass er mehrmals von vorn anfängt, erfassen kann. (42, 274)

(Beispiel 2) Es ist sinnvoll, dass Sie Ihre Texte so verfassen, wie ich es in diesem Blog empfehle, weil es das Leben der Leser leichter macht, die sich nicht gerne anstrengen, so dass die Chancen größer sind, dass das Beachtung findet, was Sie geschrieben haben. (43, 251)

Der erste Satz besteht aus 42 Wörten (bei 274 Zeichen inkl. Leerzeichen), der zweite aus 43 Wörtern (bei 251 Zeichen inkl. Leerzeichen). Die Länge ist also ähnlich.

Und doch ist der zweite Satz eindeutig leichter zu verstehen als der erste (obwohl er sogar einen Nebensatz mehr enthält). Warum? Er ist linear auf gebaut, eins folgt aus dem anderen. Beim ersten Satz ist dagegen Nebensatz in Nebensatz (und Hauptsatz) geschachtelt, so dass man schnell den Überblick verliert.

Fazit: Wenn lange Sätze, dann bitte keinen verschachtelten. Am besten vermeidet man sie jedoch ganz. Denn der Satz in Beispiel 2 ist zwar verständlicher. Ihn zu lesen ist trotzdem kein Vergnügen.