Dienstag, 21. September 2010

Keine Angst vorm Schreiben: 2. Die Macht der Gewohnheit

Ende letzten Jahres fragte ich mich: Wieso schaffe ich es regelmäßig (dreimal die Woche) ins Fitness-Studio zu gehen, aber zwischen den Tagen, an denen ich an meinem Roman geschrieben habe, vergingen manchmal Monate, wenn nicht ein ganzes Jahr? Die Frage enthielt natürlich schon die Antwort: "regelmäßig". Der Sport ist eine Gewohnheit, das Schreiben am Thriller war es nicht. (Die Fettungen in den folgenden Zitaten stammen von mir.)

"The only other thing I want to say about getting ready to write is that it is very important to write at the same time every day. Two hours at the minimum ..." Stephen J. Cannell im ersten Teil seines Writing Seminars.

"I started writing one afternoon when I was twenty, and ever since then I have written every day." David Sedaris im Blog des New Yorkers.

"Write every day." Jane Yolen in ihrem Buch Take Joy: A Book for Writers.

Das Geheimnis produktiver Autoren? Sie haben das Schreiben zur Gewohnheit gemacht.

Ich möchte Sie überzeugen, dass Gewohnheit ein probates Mittel ist (wenn nicht sogar das wichtigste), um dafür zu sorgen, dass man sich nicht erst groß überwinden muss, mit dem Schreiben zu beginnen. Deshalb die Zitate von ganz unterschiedlichen Menschen, aber mit ganz ähnlichen Botschaften in diesem Post.

Viele Autoren schreiben außerdem immer zur selben Zeit, nämlich dann, wenn es ihnen besonders leicht fällt. (Bei mir ist das der Morgen.)

"Decide when in the day (or night) it best suits you to write, and organise your life accordingly." Andrew Motion

"Find your best time of the day for writing and write. Don't let anything else interfere. Afterwards it won't matter to you that the kitchen is a mess." Esther Freud

Diese beiden Zitate stammen aus dem Guardian-Artikel Ten rules for writing fiction.

Eine bestimmte Schreibzeit festzulegen, erleichtert das Bilden einer Gewohnheit. Wichtiger ist aber, dass man überhaupt (fast) jeden Tag schreibt, weil das die inneren Widerstände beseitigt bzw. sie nicht aufkommen lässt.

"When I am writing, I do it every day, seven days a week." Barbara Taylor Bradford in einem Interview mit dem Guardian.

Versuchen Sie es. Sie werden sehen, wie der innere Widerstand von Tag zu Tag kleiner wird.

Am besten setzen Sie sich zu Anfang lächerlich kleine Ziele. Denn Kleine Schritte und Die Macht der Gewohnheit sind ein starkes Team, wenn es darum geht, Schreibblockaden zu überwinden und Ängste gar nicht aufkommen zu lassen. Das gilt nicht nur für das Schreiben von Fiction, sondern genauso für Dissertationen, Hausarbeiten, Artikel, Sachbücher und alle anderen Texte.

Wie das aussehen kann, sagt Cory Doctorow in seinem Artikel Writing in the Age of Distraction: "When I'm working on a story or novel, I set a modest daily goal — usually a page or two — and then I meet it every day, doing nothing else while I'm working on it ..."

Worauf warten Sie noch?

Ich schreibe übrigens seit dem 1. Januar dieses Jahres täglich an meinem Roman (bis auf einen Durchhänger im August, aber ich wusste ja, wie ich wieder den Anfang finde). Seitdem wächst der Text langsam, aber stetiger als je zuvor.

Ein allerletztes Zitat, das zeigt, dass diese Methode auch bei anderen Aufgaben funktioniert:

"... it’s more important to look at all of the smaller steps that bring you to the bigger goal. The practice of daily habits—familiar to everyone in the Zen Habits family—is also crucial."

Das schreibt Chris Guillebeau in einem Gastpost im Blog zenhabits über (jawohl) erfolgreiche Geschäftsleute.