Donnerstag, 11. Februar 2010

Kurzgeschichten schreiben (Teil 3): Was macht eine Kurzgeschichte aus?

Zuerst erscheint mir eine Warnung angebracht: Wie bei allen Posts zu diesem Thema erwartet Sie keine umfassende Abhandlung, sondern ich notiere hier das, was ich weiß und was mich interessiert.

Ich orientiere mich weniger an Klassikern, wie wir sie früher im Deutschunterricht behandelt haben, etwa Wolfgang Borchert oder Marie Luise Kaschnitz, oder an Stories der amerikanischen Literatur von Autoren wie Ernest Hemingway und Flannery O'Connor. Mich interessiert eher, wie man hier und heute und vor allem im Krimigenre schreibt. Aber natürlich gibt es Überschneidungen, die auf die verschiedenen Spielarten dieser Textart zutreffen.

Genug der Vorrede. Was zeichnet eine typische* Kurzgeschichte aus?
  • Sie ist einige Seiten lang. Eine genauere Definition ist unsinnig. In Extremfällen kann eine Kurzgeschichte auch mit einer Seite oder weniger auskommen. Eine andere Definition: Man kann die Geschichte "in einem Rutsch", also an einem Abend, vielleicht auch während einer Straßenbahnfahrt oder beim Arzt im Wartezimmer ganz durch lesen. Bei Ausschreibungen für Anthologien und bei Wettbewerben ist gewöhnlich eine bestimmte (maximale) Länge vorgegeben (mehr dazu in Teil 9 dieser Reihe, dem Post "Die Kurzgeschichte ist fertig. Was nun?").
  • Das Personal ist überschaubar. Eine Kurzgeschichte kommt mit wenigen Charakteren aus.
  • Gewöhnlich ist sie aus einer Perspektive erzählt. (Anders als ein Roman, bei dem man die Geschichte manchmal abwechselnd aus der Sicht mehrerer Personen erlebt.)
  • Es gibt nur wenige Schauplätze.
  • Die Handlung findet eher innerhalb von Stunden und Tagen als im Laufe von Jahren und Jahrzehnten statt.
  • Einzelheiten zu Anfang und Schluss erfahren Sie in den entsprechenden Posts.
  • Ich schreibe meine Kurzkrimis so, dass man sie gut vorlesen kann. Also zum Beispiel einfache, relativ kurze Wörter und Sätze. Dann hat es auch der Leser leichter.
*Natürlich gibt es keine allgemeingültigen Regeln darüber, wie eine Kurzgeschichte auszusehen hat. Was ich hier aufzähle sind einige - hoffentlich hilfreiche - Richtlinien zur Orientierung.

Jede Menge Menschen, die klüger sind als ich, haben Abhandlungen und ganze Bücher darüber geschrieben, was eine Geschichte ausmacht - egal, ob als Kurzgeschichte, Roman, Film, Comic, Webserie oder was auch immer. Deshalb nur folgender

Tipp für Anfänger: Jede Geschichte braucht einen Konflikt, das bedeutet meistens (mindestens) zwei Handelnde mit unterschiedlichen Interessen. Oder anders gesagt: Die Hauptperson will etwas und muss Widerstände überwinden, um es zu erreichen oder zu bekommen.

Wenn Sie mehr über einen guten Schreibstil lernen möchten, stöbern Sie in diesem Blog, z. B. in der Rubrik Grundlagen. Oder machen Sie einen Crash-Kurs mit meinem Workshop in Buchform Gut und verständlich schreiben – in zehn einfachen Schritten.

Übung: Machen Sie sich Notizen für eine eigene Kurzgeschichte. Vielleicht auf der Basis der Übung in Teil 1. Wer sind die Handelnden? Was soll passieren? Wo und wann soll sie spielen?


Hier noch ein wenig Lektüre zum Thema Kurzgeschichten (schreiben(Die ersten beiden Texte sind von meinungsfreudigen Jury-Mitgliedern bei Wettbewerben und zumindest teilweise bedenkenswert.)
http://willesdenherald.blogspot.com/2008/02/common-faults-in-short-stories.html
http://jakonrath.blogspot.com/2009/07/how-not-to-write-story.html
http://latimesblogs.latimes.com/jacketcopy/2009/12/john-grisham.html
http://www.guardian.co.uk/books/booksblog/2009/dec/29/


Dieser Post ist Teil einer ganzen Reihe von Beiträgen über das Schreiben von Kurzgeschichten. Mehr darüber, welche Themen ich geplant habe, erfahren Sie in meinem Post Kurzgeschichten schreiben.

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