Donnerstag, 2. Oktober 2008

Besser schreiben: Die Streichung von -ung

Heute geht es um die Streichung von -ung zur Erreichung einer besseren Verständigung.

Dieser Satz ist ein Beispiel für eine besonders schlimme Form (Ausformung) des Nominalstils. Von Nominalstil spricht man, wenn sich in einem Text die Substantive häufen und ihre Zahl die der Verben deutlich übersteigt.

Zuerst hatte ich den vorhergehenden Gedanken so formuliert: Dieser Satz ist ein Beispiel für eine besonders schlimme Form (Ausformung) des Nominalstils, also der Anhäufung von Substantiven in einem Text.

Auch dieser Satz ist ein Beispiel für den Nominalstil, jedoch noch halbwegs lesbar. Auf die Spitze getrieben wird das Ganze nämlich, wenn man an Verben die Nachsilbe ung anhängt und so aus ihnen Substantive macht. Dann entstehen schwer lesbare Gebilde, wie der erste Satz in diesem Post.

Diese Art zu schreiben erinnert Sie vielleicht an etwas; genau: an Beamtendeutsch. Sie ist ein Grund, warum man solche Texte mehrmals lesen muss, wenn man sie begreifen will.

Wie viel lesbarer wird der Beispielsatz vom Anfang, wenn ich schreibe: Streichen Sie, wann immer möglich die Nachsilbe ung, damit man Ihre Texte besser versteht.

Streichen Sie das ung bei Wörtern, die sich gut erkennbar von Verben ableiten und die keine Dinge bezeichnen, die man anfassen kann. Machen Sie also aus den Substantiven tatkräftige Verben (Tuwörter, Tätigkeitswörter). Aus Streichung streichen, aus Verständigung verstehen. Erreichung (das abstrakteste und schlimmste der drei) habe ich durch einen Nebensatz mit damit ersetzt, einen so genannten Finalsatz.

Ausnahmen sind zum Beispiel Zeitung, Kreuzung, Zeichnung. Kann man alle anfassen - auch die Kreuzung zur Not. Gelten lassen will ich auch kurze Begriffe wie Werbung, die sich nach unserem Empfinden zu selbstständigen Substantiven entwickelt haben.

Die Verständigung ist grenzwertig. Wenn sie die einzige ung-Formulierung weit und breit ist, richtet sie keinen Schaden an. Wenn sie aber im Rudel mit ihren Verwandten Ihren Text überfällt, sollten Sie etwas unternehmen.


Wenn Ihnen mein Blog gefällt, abonnieren Sie es (s. rechte Spalte) und/oder fügen Sie es zu Ihren social bookmarks hinzu. (Für einzelne Beiträge gibt es einen Button unter dem jeweiligen Post.)