Donnerstag, 18. September 2008

Besser schreiben: Sag’s einfach

Lange und abstrakte Wörter sowie Fremdwörter hemmen den Lesefluss. Das haben wir alle schon erlebt. Wenn wir Sätze lesen wie
Nicht zufällig hat sich an dieser Schnittstelle ein „Interface“ herausgebildet, innerhalb dessen die Wissenschaftskommunikation in öffentliche Kommunikation „umformatiert“ wird, um „Public Understanding“ zu erzeugen.
Kann das jemand mühelos verstehen? Gibt es irgendwen, der einen ganzen Text aus solchen Sätzen lesen mag?

Eben.

Zum Glück gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, lange und unverständliche Begriffe zu vermeiden oder zu ersetzen:
  • Von zwei Begriffen den kürzeren wählen. Also „Blut“, nicht „Blutbahn“, „Leser“, nicht „Leserschaft“, „Sport“, nicht „Sportbereich“.
  • Von zwei Formulierungen die konkretere wählen. Also „Arme und Beine“, nicht „Gliedmaßen“. Auch Churchill kannte die Wucht konkreter Bilder. Er stellte seinen Landsleuten nicht Lebensgefahr, Leid und Anstrengung in Aussicht, sondern Blut, Tränen und Schweiß. Das zweite Wort dieser Aufzählung in seiner berühmten Rede – „blood, toil (Mühsal), tears and sweat“ – wird meist vergessen. Es ist zu abstrakt.
  • Wenn es ein gängiges deutsches Wort gibt, benutzen Sie es. Also„Vorbeugung“, nicht „Prophylaxe“, „Entzündung“, nicht „Inflammation“.
  • Oder man formuliert den gesamten Satz um. Dann wird aus dem von oben zum Beispiel: "Hier werden wissenschaftliche Erkenntnisse allgemein verständlich erklärt." (Wenn ich genau wüsste, worum es geht, ließe sich das Passiv auch noch vermeiden.) Anderes Beispiel: Nicht „Der Altersgipfel der Erstmanifestation liegt in der zweiten und dritten Lebensdekade.“, sondern „Meist erkranken Menschen zwischen 10 und 30 Jahren.“.
Eine Anmerkung zum Beispielsatz von ganz oben: Wenn ein Autor Begriffe in Anführungszeichen setzt, zeigt das meist, dass er sie selbst für zu kompliziert hält, sie jedoch nicht übersetzen kann oder will. Achten Sie einmal in Ihren eigenen Texten darauf.

Ein spezielles Problem der deutschen Sprache sind ewig lange, zusammengesetzte Substantive (Hauptwörter), etwa „Donaudampfschifffahrtskapitän“. Zum Glück kann man sie auflösen. Entweder man macht daraus den Kapitän eines Donaudampfers. Oder man setzt einen
Bindestrich, damit das Wort lesbarer wird: Programm-Macher statt Programmmacher.

Dieser Beitrag beruht übrigens auf einem Baustein meines Workshops Gut und verständlich schreiben - in zehn einfachen Schritten.