Donnerstag, 16. November 2017

Neue Erfahrungen mit Diktiersoftware

Im letzten Jahr habe ich darüber berichtet, dass ich damit begonnen habe, die Diktiersoftware Dragon zu verwenden: Texte diktieren, schneller schreiben. Bis jetzt habe ich die Software wie dort beschrieben eingesetzt, nämlich nur sporadisch und um Notizen in ein Manuskript, zum Beispiel in die Dateien für einen Roman, zu übertragen.

Im Moment versuche ich im Rahmen des NaNoWriMo, meinen vierten Thriller zu beenden, und habe dabei einige neue Erfahrungen gemacht.

Eine bezieht sich darauf, dass ich meine Romane in der Software Scrivener verfasse. Wenn man direkt in der Maske dieser Schreibsoftware diktiert, kann man manche Dragon-Befehle nicht verwenden. Zum Beispiel kann man die Software nicht darauf trainieren, bestimmte Wörter korrekt zu schreiben. Ich habe mir deshalb die Mühe gemacht, manche Begriffe, zum Beispiel Namen, in Word zu trainieren. Auch Thriller schreibt Dragon daraufhin jetzt problemlos (siehe dazu mein vorheriger Post).

Ein anderes Problem, das aufgetaucht ist, ist Folgendes: Wenn man etwas korrigiert, also neu in einen Satz einfügt, schreibt Dragon den Anfang des neuen Wortes immer mit einem Großbuchstaben. Ich habe deshalb etwas Zeit investiert, um einige Tricks zu lernen.

Sagt man "Kleinbuchstaben", so wird das nächste diktierte Wort klein geschrieben. Ein anderer schöner Befehl ist "rückgängig", der das zuletzt Diktierte löscht.

Man kann bei Dragon auch vorgeben, wie Dragon ein Wort oder einen Befehl umsetzt. Dadurch habe ich erreicht, dass es bei beziehungsweise nicht mehr die Abkürzung verwendet, und ich habe definiert, dass es nach dem Befehl "Beistrich" (statt "Komma") immer klein weitergeht. Das ist zum Beispiel praktisch, wenn ich in der direkten Rede ein Fragezeichen verwendet habe und nach den Anführungszeichen ein Komma setzen möchte. Denn dann würde Dragon wegen des Fragezeichens sonst groß weiterschreiben.

(Übrigens beginnt Dragon in diesem Blogprogramm alle neuen Sätze nicht automatisch mit Großbuchstaben. Da ich aber nicht vorhabe, regelmäßig meine Posts zu diktieren, habe ich nicht versucht, das zu ändern.)

Inzwischen schreibe ich auch neue Szenen meines Thrillers von Anfang an, indem ich sie diktiere. Dabei gehe ich anders vor als von manchen Autoren empfohlen. Ich diktiere nicht einfach drauflos und korrigiere die so entstandenen Kapitel später, sondern mache es wie beim Tippen eines Textes. Das heißt, ich lese mit und korrigiere sofort. Oft fällt mir nämlich, nachdem ich einen Satz getippt oder diktiert habe, eine bessere Formulierung ein. Dann sage ich "rückgängig" und starte einen zweiten Versuch.

Was ich außerdem beobachtet habe, ist etwas an sich Offensichtliches: Wenn ich Texte diktiere, formuliere ich keine Schachtelsätze, weil das beim Sprechen schwierig ist. Ebenso vermute ich, dass Dialoge so echter und natürlicher wirken, weil man beim Diktieren sofort spürt, ob etwas zum Beispiel gestelzt ist, beziehungsweise es erst gar nicht über die Lippen bringt.

Anmerkung am Rande: Ich habe bemerkt, dass ich beim Diktieren spannender Szenen regelrecht mitgehe und Dialoge zum Beispiel mit dramatischer Verve spreche. Ich nehme an, dass das auf die Qualität des Textes keine weiteren Auswirkungen hat. Aber es macht Spaß ;-)

(Drachenfoto: Björn Rudner, CC BY-SA 2.0)

Und hier ein Link zu der erwähnten Software bei Amazon:


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Dienstag, 19. September 2017

Wie realistisch soll wörtliche Rede in einem Roman sein?

Welche Wörter sollte man Romanfiguren in den Mund legen und welche lieber nicht? Wie realistisch soll/darf die Sprache der Charaktere sein? Wieder habe ich mir über solche Fragen anlässlich einer Facebook-Diskussion Gedanken gemacht.

Hier das Ergebnis, zu dem ich gekommen bin:

Wer sich solche Fragen stellt, sollte bedenken, dass in Romanen die gesprochene Sprache nie realistisch ist/sein sollte in dem Sinn, dass man die Sprache echter Menschen 1:1 abbildet.

Erstes Beispiel: In einem fiktionalen Text schreibt man nicht jedes Äh, das jemand relistischerweise sagt, und lässt nicht so viele Sätze ins Leere laufen.

Zweites Beispiel: Dialekt. Den gibt man normalerweise auch nicht 1:1 wieder, sondern deutet ihn nur mit wenigen Ausdrücken an, weil es die Leser sonst nervt.

In der oben erwähnten Diskussion ging es um Jugendsprache und die manchmal recht deftigen Schimpfwörter, die manche Jugendliche verwenden. Ich würde mit der Jugendsprache ebenso wie bei den geschilderten Beispielen verfahren. Also nur wenige Ausdrücke verwenden, die das widerspiegeln und gleichzeitig so wenig Leser wie möglich vergrätzen (das zu Schimpfwörtern) und die außerdem nicht so schnell veralten. Letzteres macht den Buch "haltbarer".

Nachtrag: Mir fiel gerade ein, dass ich einen Film mal nach ein paar Minuten abgeschaltet habe, weil gefühlt jedes zweite Wort, das die Darsteller von sich gaben, "fuck" war. Und daraus den Sinn des Gesagten herauszufiltern, war mir zu anstrengend. Obwohl es zweifellos Menschen gibt, die so sprechen.

Für eine weitere Frage siehe mein vorheriger Post: Müssen sich Indie-Autoren an Schreibregeln halten? 

Vielleicht entwickelt sich daraus ja eine Reihe ;-)

Freitag, 8. September 2017

Müssen sich Indie-Autoren an Schreibregeln halten?

In einer Facebook-Gruppe, der ich angehöre, wird gerade lebhaft darüber diskutiert, ob es wichtig ist, dass Indie-Autoren sich an bestimmte Schreibregeln halten. Dabei geht es sowohl um Konventionen, was den Buchsatz betrifft, als auch um Rechtschreibung und Schreibstil.

Zur Erinnerung: Indie-Autoren (ein anderes Wort dafür ist Selfpublisher) sind Autoren, die verlagsunabhängig veröffentlichen. Ich gehöre auch dazu. Wir laden unsere Buch-Manuskripte zum Beispiel bei Amazon hoch und können so alles, was nicht ungesetzlich ist, als E-Book und/oder als gedrucktes Buch anbieten. Die Qualitätskontrolle liegt also jeweils in unseren eigenen Händen und nicht in denen eines Verlags.

Hier in leicht abgeänderter Form, was ich in meinem Facebook-Kommentar als Antwort auf die Frage im Titel dieses Posts geschrieben habe:
Meine Gedanken dazu als jemand, der schon lange als Journalistin und Autorin schreibend unterwegs ist, und als jemand, der (nicht nur) Wissenschaftlern einen leserfreundlichen Schreibstil beibringt:

1. Du kannst als Indie machen, was du willst.

2. Wenn deine Geschichten gut sind, ist es möglich, trotz Rechtschreibfehlern sowie stilistischer und typografischer Regelverstöße Leser zu finden. Es gibt Leute, die das alles nicht stört. Was eine gute Geschichte ist, das sehen verschiedene Leser wiederum unterschiedlich.

3. Schreibregeln, auch die zur Rechtschreibung, sind keine Naturgesetze. Manche sind Übereinkünfte, andere Geschmacksache, bei wieder anderen kommt es auf den Zusammenhang an. Beispiel: Zu viele Wiederholungen sind ungünstig, weil sie es oft schwierig machen, sich auf den Text zu konzentrieren. Wiederholungen können aber auch ein Stilmittel sein. Hier habe ich mehr zum Thema Rechtschreibung geschrieben: Einige Gedanken zur Rechtschreibung.

4. Den betreffenden Post beende ich so: "Erlaubt ist, was mir und (mutmaßlich) der Mehrzahl meiner Leser gefällt -- oder Letztere zumindest nicht übermäßig stört." Das bedeutet auch, so meine Vermutung, dass man mehr Menschen erreicht, wenn man sich darum bemüht (nennen wir es mal) handwerklich gut zu schreiben. Da ich mich beruflich viel mit einem guten, klaren Schreibstil befasse, kaufe ich zum Beispiel ein Buch schon dann nicht, wenn die Beschreibung Mängel (nach meiner Ansicht) aufweist. S. jedoch 1. und 2.

Schreiben ist etwas, zu dem ich mir viele Gedanken mache und das mir sehr am Herzen liegt. Ich bitte den langen Sermon zu entschuldigen. Ich habe ihn geschrieben in der Hoffnung, dass diese Überlegungen für die eine oder den anderen nützlich sind.
Wer möchte, kann dies gerne mit mir weiterdiskutieren, und zwar bei Facebook oder Google+.

Und nun zur Werbung ;-)

Tipps und Anregungen für einen leserfreundlichen Schreibstil finden Sie in diesen meinen Ratgebern:


Die Grundlagen des verständlichen Schreibens erklärt dieses Buch (als Print- und E-Book-Ausgabe erhältlich):


Die folgenden Bücher (als E-Books erhältlich) erweitern und vertiefen diese Grundlagen durch viele Beispiele und Übungen:




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Donnerstag, 24. August 2017

Thomas E. Ricks schreibt zum Thema Überarbeiten ...

In dem Artikel The Book He Wasn't Supposed to Write beschreibt der Autor und Pulitzer-Preisträger Thomas E. Ricks, wie viel Arbeit er in sein neuestes Buch stecken musste, bis es seinem Lektor, diversen Probelesern und ihm selbst gefiel. Der Titel des Buchs, das im Juni erschienen ist, laut Churchill and Orwell: The Fight for Freedom.

Gegen Ende des Artikels zieht Ricks dieses Fazit:
... the hardest book for me to write became the easiest one to read.
Was, genau wie der gesamte Artikel, etwas bestätigt, das der Schriftsteller Nathaniel Hawthorn schon vor vielen Jahren wusste:
Easy reading is damn hard writing.
Und um nichts anderes geht es ja im Grunde auch in diesem Blog ;-)

(Das Foto, das diesen Beitrag illustriert, stammt von Death to the Stock Photo.)

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Montag, 7. August 2017

Ein klassischer Fall von Verschleierungspassiv

Ich habe vor Jahren hier im Blog über die Passiv-Form von Verben geschrieben und darüber, warum man sie vermeiden sollte: Besser schreiben: Das leidige Passiv.

Jetzt möchte ich das Thema noch einmal aufgreifen, weil ich ein besonders schönes Beispiel gefunden habe. Das Handelsblatt  berichtet, dass eine Rede des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil im Entwurf diesen Satz enthielt:
Volkswagen hat damit gegen Gesetze verstoßen und Vertrauen missbraucht.
In der fertigen Rede wurde daraus:
Damit ist gegen Gesetze verstoßen und Vertrauen missbraucht worden.
Aus dem Aktiv "hat ... verstoßen und ... missbraucht" wurde die Passiv-Formulierung "ist ... verstoßen und ... missbraucht worden". Und damit entfiel der Handelnde, VW, denn den braucht man nicht zu nennen, wenn man das Passiv verwendet.

Kurz: Mit Sätzen wie "Fehler wurden gemacht" lässt sich verschleiern, wer die Verantworunt trägt. Das Passiv darf also -- ironisch gesagt -- in keinem Handwerkskoffer für Redenschreiber fehlen.

Einige Buchempfehlungen für alle, die präzise formulieren möchten und nicht auf Verschleierungstaktiken angewiesen sind ;-)


Die Grundlagen des verständlichen Schreibens erklärt dieses Buch (als Print- und E-Book-Ausgabe erhältlich):


Die folgenden Bücher (als E-Books erhältlich) erweitern und vertiefen das Gelernte durch viele Beispiele und Übungen:




Dieses Buch schließlich (als Print- und E-Book-Ausgabe) enthält die Inhalte der beiden vorherigen, neu zusammengestellt:



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Montag, 31. Juli 2017

So finde ich die Namen für meine Thrillerfiguren

Drüben in meinem Krimiblog habe ich ausführlich darüber geschrieben, wie ich die Namen für die Charaktere in meinen Romanen finde und was ich dabei alles beachte.

Ein Thema, das auch gut in ein Schreibblog passt, finde ich. Deshalb hier der Link zu dem betreffenden Post: Wie kommen die Figuren in meinen Thrillern zu ihren Namen?

Wer Lust hat, zu kommentieren und etwas über sein eigenes Vorgehen zu berichten, kann das am besten auf meiner Facebookseite. Ich bin schon neugierig, wie andere Autoren bei der Namensuche vorgehen ;-)

Donnerstag, 6. Juli 2017

Überschriften müssen besonders klar sein

Titel von Büchern, Artikeln und so weiter müssen wir besonders sorgfältig formulieren.

Bei einem normalen Satz hilft den Lesern der Text drum herum, der Zusammenhang, den Sinn zu verstehen. Eine Überschrift steht oft für sich allein, zum Beispiel in einem Newsletter, einem Inhaltsverzeichnis oder einer anderen Art von Ankündigung. Deshalb muss sie aus sich heraus verständlich sein.

Wie ich darauf komme? Gerade las ich in einem Newsletter
„Tagesschau“ mischt mit Turnoma-Video das Storyclash-Ranking auf 
Eines erreichte diese Überschrift: Ich wurde neugierig. Jedoch vermutlich nicht auf eine Art, die der Verfasser beabsichtigt hatte. Ich fragte mich: Was war dieses "Turnoma"? Ein Ort? Ein neues Spielzeug wie die Fidget Spinner?

Der zugehörige Artikel gab Aufschluss: Es ging um eine ältere Dame, die mit über 90 noch ausgesprochen fit ist und mit Begeisterung ... turnt. Eine "Turnoma". Wer hätte das gedacht?

In einem früheren Post habe ich bereits einmal über ein ähnliches Problem geschrieben.

Wie dort wollen wir in einem ersten Schritt, sozusagen nach Schema F, versuchen, das Problem zu lösen. Mit einem Bindestrich:
„Tagesschau“ mischt mit Turn-Oma-Video das Storyclash-Ranking auf  
Etwas besser, aber noch nicht auf Anhieb zu verstehen, finde ich. Oft ist aber ein Bindestrich durchaus nützlich. Etwa, wenn aus Programmmacher Programm-Macher wird. Oder aus Genregrenzen Genre-Grenzen.

Mein Vorschlag:
"Tagesschau“ mischt mit Video von turnender Oma das Storyclash-Ranking auf 
Manchmal kommt man nicht darum herum, ganz leicht umzuschreiben. Der Titel ist jetzt ein wenig länger. Aber Klarheit geht vor Kürze.

Sollte die Länge ein Problem sein, dann müsste man an anderer Stelle Zeichen oder Wörter sparen oder den Titel neu formulieren.

Zum Schluss einige Buchempfehlungen für alle, die ihren Schreibstil verbessern möchten:


Die Grundlagen erklärt dieses Buch (als Print- und E-Book-Ausgabe erhältlich):


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Dieses Buch schließlich (als Print- und E-Book-Ausgabe) enthält die Inhalte der beiden vorherigen, neu zusammengestellt:



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